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Corona-Alltag: Abstand auch im Notfall

Betriebswehrmitarbeiter und Lokführer Ruben Pereira und seine Kollegen vom Interventionszentrum Melide sind täglich mit Unvorhergesehenem konfrontiert. Das Coronavirus prägt auch ihre 24-Stunden-Arbeitstage.

«Vor der Pandemie arbeiteten wir Lokführer zu zweit im Führerstand des SBB Lösch- und Rettungszugs. Wir unterstützten uns beim Beobachten des Fahrwegs und teilten uns die Aufgaben auf: Der eine führte den Zug, der andere nahm zum Beispiel Anrufe entgegen. Jetzt geht dies nicht mehr, und jeder Lokführer arbeitet allein. Das ist für mich die markanteste Veränderung in der Corona-Krise. Ich finde es schade, aber es gehört ja schliesslich zu unserer Arbeit, mit Ausnahmesituationen umzugehen.

Wir arbeiten in 24-Stunden-Schichten, während denen das fünfköpfige Team fast wie eine Familie zusammenlebt. Vor Corona schauten wir abends oft alle zusammen einen Film. Jetzt, da wir den 2-Meter-Abstand einhalten müssen, geht das nicht mehr – aufgrund der Abstände bietet der Fernsehraum nur noch Platz für drei Personen. Nun teilen wir uns halt auf. Wir haben uns daran gewöhnt, in den Gemeinschaftsräumen wie Küche, Trainingsraum und Büro die Abstände einzuhalten. Wir befolgen die Hygiene- und Verhaltensregeln, um die anderen zu schützen. Die Kollegen, die etwas älter sind, sind auch um ihre eigene Gesundheit besorgt.

«Wir arbeiten in 24-Stunden-Schichten, während denen das fünfköpfige Team fast wie eine Familie zusammenlebt.»
Ruben Pereira

Nach wie vor sind wir den ganzen Tag voll und ganz mit unserer Arbeit beschäftigt. Wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor: bei Bränden ausrücken, auf der Strecke stecken gebliebene Fahrzeuge abschleppen, Personen aus Zügen evakuieren und bei Unfällen intervenieren. Zu den Vorbereitungen gehören der Unterhalt der Fahrzeuge und der Ausrüstung, Übungen, Weiterbildung und Training. Bei allen Tätigkeiten dürfen Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel nicht fehlen, weil es nicht immer möglich ist, die Abstände zu den Kollegen einzuhalten. Wir halten bei unseren Tätigkeiten die Corona-Schutzmassnahmen ein und gehen sogar noch weiter: Aus eigener Initiative haben wir zusätzliche Massnahmen getroffen. So benutzt zum Beispiel jeder Einzelne immer dasselbe Atemschutzgerät. Bisher reinigten und desinfizierten wir die Geräte zwar systematisch nach jedem Gebrauch, es gab aber keine persönlichen Geräte. Heute hat jeder Mitarbeiter sein eigenes Atemschutzgerät und verwendet nur dieses. Leider oder zum Glück mussten wir in den letzten Wochen nicht oft ausrücken. Leider, weil es unsere Aufgabe ist zu intervenieren. Zum Glück, denn wenn es uns nicht braucht, heisst das, dass alles rund läuft.

Bis Ende des letzten Jahrs waren wir noch am provisorischen Standort in Chiasso untergebracht, wo wir nur wenig Platz hatten. Wenn das Coronavirus ein paar Monate früher aufgetreten wäre, hätten wir deshalb unsere Arbeitsorganisation viel stärker auf den Kopf stellen müssen. Glücklicherweise sind wir bereits an den neuen Standort in Melide umgezogen, wo wir grosszügigere und funktionellere Räume haben.»