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Corona-Alltag: «Wir helfen, wo wir können.»

Über 190 Transportpolizisten sorgen an Bahnhöfen und in den Zügen für Sicherheit und Ordnung. Im Interview berichten Anita Ehrhardt (39) und Dominic Grossenbacher (28), was sie an ihrem Job mögen und wie der Lockdown ihre Arbeit verändert hat.

Anita Erhardt und Dominic Grossenbacher patrouillieren am Bahnhof Bern
Anita Erhardt und Dominic Grossenbacher patrouillieren am Bahnhof Bern

Haben sich die Menschen am Bahnhof Bern an die Vorschriften des BAG gehalten?

Anita Ehrhardt: Die Gruppengrössen von maximal fünf Personen wurden plus minus eingehalten. Wir waren präventiv und informierend unterwegs. Oft mussten wir erklären, dass die Abstandsregeln nicht als Schikane des Staates zu verstehen seien, sondern dem Selbstschutz dienen. Und dass die Normalität schneller zurückkehre, je besser sich alle an die Regeln halten. Durch diese transparente Kommunikation stiessen wir meist auf Verständnis.

«Aufgrund der Leere in den Bahnhöfen und Zügen gab es mehr Taschendiebstähle.»
Anita Ehrhardt

Ist euch ein bestimmter Vorfall während des Lockdowns besonders in Erinnerung geblieben?

Anita Ehrhardt: Aufgrund der Leere in den Bahnhöfen und Zügen gab es mehr Taschendiebstähle. Als Reaktion zeigten wir Präsenz und patrouillierten auf kritischen Verbindungen. Normalerweise versuchen Taschendiebe zu fliehen und in der Menschenmenge abzutauchen. Jetzt konnten wir sie besser verfolgen und anhalten.

Wie habt ihr den Bahnhof Bern während des Lockdowns erlebt?

Anita Ehrhardt: Am Anfang war die Situation am Bahnhof Bern sehr speziell. Alles war sehr leer. Ich hatte den Eindruck, dass sich die wenigen Menschen anders als sonst verhielten. Die Reisenden wirkten zurückhaltender. Verschiedene Gruppierungen, wie beispielsweise Randständige, schienen etwas provokativer.

Dominic Grossenbacher: Es war sehr speziell, durch den leeren Bahnhof zu patrouillieren. Herausgestochen sind herumlungernde Personen, die es an jedem grösseren Bahnhof gibt. Normalerweise gehen sie in der Menschenflut unter. Ich habe mich gefragt, ob es zurzeit mehr dieser Personen gibt oder ob diese lediglich mehr auffallen.

Was schätzt ihr besonders an eurem Job?

Dominic Grossenbacher: Der Bahnhof ist jeden Tag anders. An einem Samstagabend ist die Stimmung völlig anders als an einem Dienstagvormittag. Zudem sind wir in engem Kundenkontakt mit SBB Personal, den Reisenden und dem Partyvolk aus allen Schichten der Gesellschaft und von unterschiedlicher Herkunft und Kultur. Die Arbeit ist sehr vielfältig.

Anita Ehrhardt: Mir gefällt, dass wir nicht nur Verbote aussprechen und Leute zurechtweisen müssen, sondern die Reisenden unterstützen und ihnen ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Wir geben auch viele Auskünfte. Wir setzen uns ein, um unseren Kundinnen und Kunden ein möglichst angenehmes und sicheres Reisen zu ermöglichen.

«Wir setzen uns ein, um den SBB Kunden ein möglichst angenehmes und sicheres Reisen zu ermöglichen.»
Anita Erhardt

Wie sieht ein Arbeitstag bei der Transportpolizei aus?

Dominic Grossenbacher: Im alltäglichen Dienst können wir in grossem Masse selbst entscheiden, in welchen Bahnhöfen und Zügen wir unseren Aufgaben und Tätigkeiten nachkommen. Grundsätzlich geht es darum, den Reisenden durch sichtbare Präsenz, Sicherheit in den Zügen und Bahnhöfen zu vermitteln. In der Corona-Zeit haben wir gezieltere Aufträge im Zusammenhang mit der aktuellen Lage erhalten. Wir erhielten klare Anweisungen, wann wir auf welchem Zug bzw. Bahnhof präsent sein mussten, damit die Sicherheit in kritischen Zügen oder Bahnhöfen gewährleistet werden konnte.

Anita Ehrhardt: Bei der Transportpolizei bin ich oft zu Fuss unterwegs. Dadurch bin ich für die Kundinnen und Kunden gut ansprechbar und habe viel Bewegung. Das gefällt mir. Zudem ist man bei der Transportpolizei schweizweit im Einsatz, was die Arbeit noch abwechslungsreicher macht.

Wie hat sich dein Privatleben durch den Lockdown verändert?

Dominic Grossenbacher: Meine Frau und ich haben das Glück, dass wir nicht im Homeoffice arbeiten müssen. Vermisst habe ich, auswärts essen zu gehen und meine Freunde zu treffen. Ich geniesse die Lockerungen darum sehr.

Anita Ehrhardt: Ich habe als Mutter dreier Kinder einen Nebenjob als Hilfslehrerin gefasst. Da viele Hobbys weggefallen sind, war das für mich überraschenderweise keine grosse Belastung. Im Gegenteil: Wir hatten mehr Familienzeit, was wir alle sehr schätzten.


Anita Ehrhardt

Anita Ehrhardt (39) ist Gruppenchefin am Stützpunkt Bern und arbeitet seit sieben Jahren bei der Transportpolizei. Ihre Ausbildung hat sie bei der Stadtpolizei Bern absolviert und später bei der Kantonspolizei Bern gearbeitet.

Sie ist Mutter dreier Kinder. In Ihrer Freizeit leitet sie Indoor-Cycling Kurse und engagiert sich bei der freiwilligen Feuerwehr.


Dominic Grossenbacher

Dominic Grossenbacher (28) arbeitet seit zwei Jahren bei der Transportpolizei. Vor seiner Ausbildung zum Transportpolizisten hat er zehn Jahre auf der Baustelle als Elektriker gearbeitet.

In seiner Freizeit bewegt er sich viel draussen, treibt gerne Sport und geht campieren.

Über 190 Transportpolizistinnen und Transportpolizisten sorgen schweizweit in Arealen des Öffentlichen Verkehrs wie Bahnhöfen oder Transportmitteln für Sicherheit und Ordnung.

Auch an Grossanlässen, bei welchen die SBB involviert ist, oder bei betrieblichen Ausfällen gewähren sie die Sicherheit. Im täglichen Präsenz- und Interventionsdienst stehen sie in direktem Kundenkontakt.