Die Masken, die Kunden und ich

Seit dem 6. Juli muss im öffentlichen Verkehr eine Maske getragen werden. Mit der Maskenpflicht änderte sich sowohl das Pendlerleben, als auch die Arbeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln. SBB Kundenbegleiter Joël Müller blickt auf die vergangenen Wochen zurück.

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Nichts ist, wie es einmal war. Auch die Zugfahrt ist heute nicht mehr das Gleiche, wie noch vor einem halben Jahr. Ohne Bedenken öffneten wir damals mit dem grauen Hebel die Wagentüre. Wir plauderten im vollbesetzten Viererabteil frischfröhlich und boten unseren Mitreisenden auch mal einen Griff in die Chipstüte an. Mit dem Virus änderten sich unsere Gewohnheiten im ÖV schlagartig und langsam beginnen wir mit ihm zu leben, wenn auch mit einigen Einschränkungen.

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Die wohl augenscheinlichste Einschränkung ist die Maskenpflicht. Seit Montag, 6. Juli 2020 gilt sie schweizweit in allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir Kundenbegleiter und Kundenbegleiterinnen tragen bereits seit dem 11. Mai bei der Arbeit im Zug Masken. Zugegeben: Aller Anfang ist schwer. Ich kann mich noch gut an meine erste «Masken-Tour» erinnern. Kaum hatte ich einen halben Wagen kontrolliert, plagten mich Atemnot und Schweissausbrüche. Dank bewusster Atmung und etwas Durchhaltewillen konnte ich mich aber schnell an die Arbeit mit Maske gewöhnen. Heute stört mich die Maske überhaupt nicht mehr. Ich bemerke sie während der Arbeit kaum noch.

«Heute stört mich die Maske überhaupt nicht mehr.»
Joël Müller

Ich nehme an, ähnliche Startschwierigkeiten mit dem Maskentragen hatten wohl auch einige Reisende. Trotzdem gelang der Einstieg ins «Maskenpflicht-Zeitalter» am besagten Montag offenbar reibungslos. Der erste «Maskenpflicht-Tag» fiel in meine Sommerferien, sodass ich das Geschehen aus der Ferne beobachtete. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen – und auch mich – hatten zuvor einige Ängste geplagt. Wir sahen uns als «Maskenpolizisten», die dutzende ungehorsame Reisende aus dem Zug verweisen müssen. Diskussionen und Theater von frühmorgens bis spätabends malten wir uns aus. Erinnerungen an die Einführung des Rauchverbots in Zügen 2005 wurden wach.

Was sich aber seit dem 6. Juli 2020 abspielt, ist zum Glück weit weg von diesen Albträumen. Von einem Tag auf den anderen gehörten Masken zum festen Reise-Equipment. In meinen Ferien erreichten mich freudige Nachrichten über das Gelingen der Maskenpflicht-Einführung. Bei meiner Rückkehr fiel mir das ebenfalls positiv auf und trotzdem muss erwähnt sein, dass einzelne Reisende keine Maske tragen. Sei es, weil sie keine zur Hand haben – glücklicherweise helfen sich die Reisenden manchmal untereinander aus – oder weil sie tatsächlich das Tragen verweigern. Nicht vergessen dürfen wir jene Reisenden, die aus gesundheitlichen Gründen keine Masken tragen dürfen. In solchen Fällen möchte ich jeweils besonderes Verständnis zeigen und wünsche mir das auch von den Mitreisenden.

Maskenpflicht: Ein Balanceakt

Schlussendlich geht es darum, gemeinsam sicher unterwegs zu sein. Das heisst auch, die Maske wirklich konsequent und richtig anzuziehen. In meinen Augen heisst das unter anderem, die Maske bereits beim Betreten des Bahnhofes oder spätestens vor dem Einstieg in den Zug anzuziehen. Auch während Telefonaten im Zug kann die Maske problemlos oben bleiben – und zwar auch über der Nase. Und bestenfalls auch dann, wenn niemand anderes innerhalb des vorgegebenen Mindestabstandes von 1,5 Metern sitzt. Es geht hier nicht um Schikane oder «Tüpflischisserei». Es geht darum, dass ich als Kundenbegleiter bei der Kontrolle und bei meinen Gängen durch den Zug auch geschützt sein möchte. Das ist nicht gewährleistet, wenn einzelne Personen ihre Maske abnehmen. Ich finde: Wenn wir uns schon alle Masken besorgen, ist es doch logisch, dass wir diese auch richtig verwenden.

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Eines möchte ich an dieser Stelle explizit hervorheben: Ich finde es grossartig, wie die Umsetzung der Maskenpflicht in unseren Zügen bisher geklappt hat. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich können uns trotz neuer Herausforderung auf unsere eigentlichen Tätigkeiten konzentrieren. Nun ist Geduld und Ausdauer gefragt. Wenn wir weiterhin alle am gleichen Strick ziehen, zeigt die Maskenpflicht ihre Wirkung, sodass wir irgendwann wieder so reisen können, wie wir uns das vor einem halben Jahr noch gewohnt waren.

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Joël über sich

Geboren 1997, arbeite ich heute als Kundenbegleiter bei der SBB. Tagtäglich fahre ich quer durch die Schweiz und erlebe so manche spannende Geschichte. Wir «Kondukteure» könnten ganze Bücher über unseren Arbeitsalltag füllen. Dies hat mich auch dazu bewogen, in meinem Blog «EinfachRetour» von meinem Leben im Zug zu berichten. «EinfachRetour» gibt’s unter einfachretour.com und auf Twitter mit @einfachretour.

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