Kanada liegt gleich hinter Kandersteg

Wilde Wälder, Wasserfälle, die steile Klippen hinunterstürzen, alpine Auen, Ruhe: Wozu in die Rocky Mountains reisen, wenn man eine ähnliche Szenerie auch im Berner Oberland findet? Ein Streifzug durchs Gasterntal.

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Mit grossen, dunklen Augen blickt das Gasterngesicht nachdenklich übers Tal. Die zehn Meter hohe Felsformation liegt gut versteckt etwas abseits der engen Forststrasse, die sich entlang der Kander durchs Gasterntal zieht. Im Schatten der steilen Felswand wächst anfangs Juni der Frauenschuh. Eine wilde Orchidee, die in der Schweiz nur noch selten vorkommt. Der Frauenschuh und andere seltene Pflanzen locken jeden Frühling Hobby-Botaniker und Fotografen ins ansonsten ziemlich einsame Hochgebirgstal bei Kandersteg. Doch auch im Herbst lohnt sich eine Reise in die wilden Weiten, die schon den Schriftsteller Mark Twain inspirierten.

Wilde Weiten

Die Fahrt von Kandersteg ins Gasterntal ist abenteuerlich. Die geübten Fahrer lenken die Kleinbusse zielstrebig durch die engen Kurven und Tunnels – die Zeit drängt, der Taktfahrplan gibt die Fahrrichtung vor, kreuzen unmöglich. Noch eindrücklicher ist jedoch der Einstieg ins Tal durch die schmale Klus entlang des tosenden Bergbachs. Unterwegs zeugt eine Gletschermühle von vergangenen Zeiten, als der Kandergletscher noch bis hinunter nach Kandersteg reichte. Oben angekommen, erstreckt sich in Richtung Osten ganz unerwartet ein weiter, flacher Talboden, durch den die junge Kander ihren Weg immer wieder neu sucht und dabei die Landschaft gestaltet.

Das ebenfalls am Taleingang gelegene Berghotel Waldhaus ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Der Kander entlang führt ein sechs Kilometer langer Weg nach Selden. Dort belohnt man sich im Hotel Steinbock mit einer währschaften Käseschnitte oder wandert weiter via Heimritz ins UNESCO-Welterbe «Jungfrau-Aletsch», wo die Kander dem Gletscherfirn entspringt.

Wer den Aufstieg nicht scheut, wandert vom Waldhaus aus auf dem Gurnigelweg durch die Schwarzbachschlucht auf die Alp Spittelmatte und von dort aus weiter auf den Sunnbüel. Mit etwas Glück trifft man dabei auf Gämsen oder Steinböcke, die ebenso wie der Luchs im Tal zuhause sind.

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Der Chronist des Gasterntals

Ebenfalls im Tal daheim fühlt sich Hermann Ogi. Der Kandersteger und pensionierte Bähnler war 33 Jahre lang für die BLS als Bahnhofsvorstand in Ausserberg tätig. Nach seiner Pensionierung kehrte er zurück und ist, wenn die Beine mitmachen, noch heute als Strahler auf der Suche nach Kristallen und Mineralien unterwegs. Er kennt hier jeden Stein, jede Pflanze, jede Geschichte, die sich ums Tal rankt. Sein Wissen gibt er gerne im Gespräch und in Form von Broschüren weiter. 

«Das Gasterntal ist ein Kraftort.»
Hermann Ogi

«Die Ruhe, das Rauschen des Wassers, die unberührten Wälder: Es ist eines der schönsten Alpentäler», sagt Ogi. Im Tal kommt der mittlerweile 83-Jährige zur Ruhe. Und er ist überzeugt: «Das Gasterntal ist ein Kraftort.» Denn das Sedimentgestein und der rötlich gefärbte Gasterngranit enthalten Mineralien, deren Schwingungen sich positiv auf die Organe des Menschen auswirkten. Gut für die Gesundheit sind auch die Heilkräuter, die er sammelt und zu Tee aufbereitet. 96 verschiedene Kräuter hat er in der Gegend aufgespürt und dokumentiert.

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Fragile Schönheit

Nebst all den unterhaltsamen Anekdoten, die Ogi mit Schalk in den Augen erzählt, gibt es auch die tragischen Geschichten. So wurden Teile des Tals bei einem verheerenden Unwetter im Jahr 2011 regelrecht in Schutt gelegt. Heftige Gewitter, Lawinen und Bergstürze bedingt durch den Rückgang von Gletschern und Permafrost bedrohen das Naturschutzgebiet und seine Artenvielfalt. Und so ermahnt Ogi die Besucher, nicht nur Kilometer zu erwandern, sondern mit offenen Augen durchs Tal zu gehen und die einzigartigen Naturschönheiten bewusst wahrzunehmen. Denn das Gasterntal hat viele Gesichter.

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Anreise ins Gasterntal

Das Gasterntal erreichen Sie am besten zu Fuss: Ab der Talstation der Sunnbüel-Bahn dauert die steile aber schöne Wanderung ins Tal auf 1350 m ü.d.M. ca. 45 Minuten.
Von Juni bis Oktober gibt es einen Busbetrieb von Kandersteg Bahnhof bis Gasterntal Selden. Den Fahrplan finden Sie bei Kander-Reisen. Reservation obligatorisch; nur per Telefon: 033 671 11 72. Auch das Busbillett ab Kandersteg kaufen Sie bitte vor Ort.

Jetzt das Berner Oberland entdecken: Ausflugsideen in der Nähe des Gasterntals

  • Tropischer Urwald trifft auf den Sibirischen Stör: Das Tropenhaus Frutigen betreibt mit dem 19° Celsius warmen Abwasser aus dem Lötschberg-Basistunnel eine nachhaltige Fischzucht mit Tropengarten und interaktiver Erlebnisausstellung.

  • Oeschinensee: Einen der schönsten und imposantesten Bergseen erreicht man mit der Gondelbahn und einem kurzen Fussmarsch ab Kandersteg. Bei der Bergstation wartet die Sommerrodelbahn auf mutige Piloten.

  • Drehleiter, Seilbrücken und Tyrolienne: Der Klettersteig Allmenalp führt über eine abwechslungsreiche Route 350 Höhenmeter steil nach oben.

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