Wenn’s im Bahnhof anders klingt – der ÖV bekommt eine neue Stimme

Sie ist vertraut und begegnet den meisten Bahnreisenden tagtäglich: die Stimme der Bahnhofsdurchsagen. Was wir uns gewohnt sind, wird nun abgelöst. Ab September 2020 rollen die SBB und die BLS die neue ÖV-Stimme aus. Der Projektleiter Roman Zimmerer erklärt im Interview die Hintergründe.

Beginn einer Bildergalerie

Warum gibt es überhaupt neue Stimmen für die Bahnhofsdurchsagen?

Die Software, welche die Durchsagen, General- und Perronanzeiger in den Bahnhöfen steuert, ist in die Jahre gekommen und musste deshalb ersetzt werden. Um die Qualität zu verbessern, entschieden sich die SBB und die BLS dafür, die Elemente für die Durchsagen neu aufzunehmen. Sprecherinnen und Sprecher konnten sich bewerben. Eine Fachjury bewertete die Stimmproben und entschied sich schliesslich für die Stimmen, die ab September 2020 an den Bahnhöfen von SBB und BLS zu hören sind.

Nach welchen Kritierien ist die Auswahl der ÖV-Stimmen erfolgt?

Wie alle öffentlichen Ausschreibungen basierte auch die Auswahl der neuen ÖV-Stimmen auf den Vorgaben des Beschaffungsrechts. So standen einerseits stimmlich-qualitative, andererseits auch preisliche und technische Kriterien im Vordergrund.

sbb cff ffs
Diese Stimme wird in den Bahnhöfen von SBB und BLS bald standardmässig zu hören sein.

Umfrage: Wie kommt die neue ÖV-Stimme an?

  1. Toll, ich freue mich auf etwas Abwechslung!
    14.8%
  2. Die alte Stimme hat mir besser gefallen.
    67.6%
  3. Die Stimme ist mir egal; Hauptsache ich erhalte die richtigen Informationen.
    17.6%

Es haben 7175 Personen an der Umfrage teilgenommen.

Wie funktionieren diese neuen Stimmen?

Künftig basiert die ÖV-Stimme auf neuen digital produzierten Aufnahmen menschlicher Stimmen. Damit können aus einzelnen digital vorproduzierten Wörtern und Wortfragmenten beliebige Sätze generiert werden. Im Gegensatz zu den heute verwendeten und nach Bedarf zusammengefügten Audio-Sequenzen sorgt die neue moderne Text-to-Speech (TTS) Lösung so für besser verständliche Durchsagen sowie einen natürlicheren Sprachrythmus und erlaubt flexiblere Durchsagen.

Was war deine grösste Herausforderung bei diesem Projekt?

Das bisherhige System ist über die letzten 20 Jahre hinweg gewachsen und dadurch hochkomplex geworden. Das neue System ist im Hintergrund noch immer komplex, in der Bedienung jedoch einfacher. Eine zweite grosse Herausforderung ist es, dass die Einführung reibungslos verläuft und die Kunden den Wechsel im besten Fall gar nicht bemerken.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei den neuen Durchsagen?

Unsere Vision ist es, dass wir die Reisenden zeitnah, persönlich und empathisch an den Bahnhöfen der Schweiz informieren. Dies gelingt nur mit einem Mix aus Automation und manuellem menschlichen Eingreifen. Das heisst: Wir verlassen uns in der Regel auf die Daten in unseren Quellsystemen. Von Hand ergänzen wir nur noch in Einzelfällen. Die Kollegen, die das System bedienen, können sich somit besser auf die laufende Situation konzentrieren und bei Bedarf Zusatzinformationen für die Kunden in der Durchsage anreichern.

Die Stimme ist also echt, wird aber vom Computer zusammengesetzt und gesteuert?

Richtig. Dank des neuen Systems sind wir in der Lage, mit der vorhandenen Bibliothek einer Sprache alle möglichen Durchsagen zu generieren, ohne dass wir bei Neuerungen zuerst in ein Sprachstudio müssen. Dies hilft uns vor allem auch bei Durchsagen, die zeitkritsch sind und schnell zur Verfügung stehen müssen. Ein aktuelles Beispiel dafür sind beispielsweise die Durchsagen zur Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.