Es ist kurz nach 17 Uhr, ein InterCity verlässt den Bahnhof Bern in gemächlichem Tempo. Kurze Zeit später gleitet das rund 600 Tonnen schwere Fahrzeug bereits mit wuchtigen 200 Stundenkilometern über die Schienen. Und es ist nicht allein: Der Taktfahrplan der SBB hat zur Folge, dass viele Züge gleichzeitig und innert kurzer Zeit auf ein hohes Tempo beschleunigen.
Der Leistungsbedarf eines Zuges steigt während seiner Beschleunigungsphase stark an. In den Hauptverkehrszeiten, wenn besonders viele Züge gleichzeitig beschleunigen, führt das zu einer hohen Belastung des Bahnstromnetzes. Der Effekt verstärkt sich an kalten Tagen, wenn zusätzlich die Zug- und Weichenheizungen aus dem gleichen Stromnetz versorgt werden. Ausserdem stehen immer leistungsfähigere Züge im Einsatz und der Bahnverkehr nimmt stetig zu. Damit steigt auch der Leistungsbedarf im SBB Netz – und die Kraftwerke und Frequenzumformer kommen an ihre Leistungsgrenzen.
Statt nur zusätzliche Anlagen wie beispielsweise Frequenzumrichter zu bauen, setzt die SBB nun auch auf Digitalisierung. Die Idee: Sobald sich eine hohe Auslastung – im Fachjargon «Lastspitze» genannt – im SBB Netz abzeichnet, werden Zug- und Weichenheizungen für maximal zwei Minuten ausgeschaltet. Der Energiebedarf der Heizungen wird so zeitlich verschoben – die Lastspitze also geschnitten. Und das ganz ohne Auswirkung auf das Temperaturempfinden der Reisenden.



