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«Wir haben das gleiche Baujahr – dieser Schlafwagen und ich»
«Wir haben das gleiche Baujahr – dieser Schlafwagen und ich»

Robér Bormann ist ein Mann der Nachtzüge. Seit 2014 arbeitet er bei der SBB als Angebotsplaner. In einem Team von gerade mal vier Personen hat er die neue Nightjet Linie Zürich-Amsterdam realisiert - mit einem Zug, der gleich alt ist wie er selbst.

Anouk Ilg (Fotos)

Seit acht Uhr morgens ist Robér Bormann auf den Beinen, inzwischen zeigt die Uhr 18:45. Noch gut drei Stunden, bis der erste Nachtzug von Zürich nach Amsterdam fährt. Die letzten Waren werden hier im Zürich Vorbahnhof auf dem «Feld Marie 4» in den Zug geladen, letzte Sicherheitschecks gemacht – der perfekte Zeitpunkt für den Angebotsplaner sich ein paar Minuten Zeit für ein Interview zu nehmen.

Heute ist ein grosser Tag für dich, der erste Nightjet fährt von Zürich nach Amsterdam. Was braucht es alles bis zu einem solchen Moment?

Organisation, Organisation, Organisation... bis zur letzten Minute. Bei neuen Verbindungen braucht es enormen Initialaufwand. Die Fahrzeuge, die Mitarbeitenden und alles benötigte Material müssen zur rechten Zeit am rechten Ort zusammenkommen, damit alle Vorarbeiten erledigt werden können. Sei es bei der Herrichtung des Rollmaterials durch den Vermieter der Wagen, in den Werkstätten, sei es bei der Vorbereitung der Züge vor ihren ersten Abfahrten in Zürich, Basel oder Amsterdam. Die Kundinnen und Kunden sehen vielleicht zehn Prozent der gesamten Arbeit, die übrigen 90 Prozent, die im Hintergrund passieren, müssen aber genauso passen.

Wie lange hat es gedauert, um dieses neue Angebot zu realisieren?

Wir hatten etwa zwei Jahre Vorlaufzeit. Es war eine intensive Zeit – vor allem auch während den letzten Monaten. Innerhalb der SBB sind wir gerade mal vier Personen im engeren Projektteam und natürlich braucht es einen sehr engen Austausch mit den Partnerbahnen. Alles muss perfekt abgestimmt sein, damit ein Nachtzug fahren kann: Trassen müssen gefunden und bestellt werden, der Unterhalt der Fahrzeuge muss organisiert sein, die Prozesse unterwegs, im Zug selbst und an den Wendebahnhöfen im Ausland müssen sauber geklärt und erprobt sein. Und es braucht natürlich erstmal die richtigen Fahrzeuge.

Durch was zeichnen sich die richtigen Fahrzeuge aus?

Dieser Zug ist ein richtiger Glücksfall: Die Substanz der etwas älteren Schlaf- und Liegewagen ist richtig gut, so dass es mit vertretbarem Aufwand möglich war, die Fahrzeuge technisch und komfortseitig auf den Stand der Zeit zu bringen, zum Beispiel durch neue Polster oder die Erneuerung der Kücheneinrichtungen in den Schlaf- und Liegewagen. Wir haben übrigens den gleichen Jahrgang – diese Schlafwagen und ich: 1975.

Einige nennen dich «Mann der Nachtzüge». Wie bist du zu diesem Übernamen gekommen?

Ich habe eine zwanzigjährige Nachtzugvergangenheit. Das macht es mir möglich das zu tun, was ich jetzt tue – sonst würde das nicht funktionieren. Ich bin ein gelernter Eisenbahner von der Pike auf: Ich war in der Werkstatt, Lokführer, habe auf dem Zug und im Stellwerk gearbeitet, habe Fahrzeuge restauriert, war Lademeister für Autoreisezüge – zuerst in Deutschland bei einer privaten Bahn, dann jahrelang bei der DB AutoZug. Dann ab 2006 bei der City Night Line in Zürich. 2014 bin ich zur SBB gekommen.

Deutschland und die Schweiz sind für dich also bereits bekanntes Terrain. Und was ist dein Bezug zu Amsterdam?

Schon bei der City Night Line bin ich regelmässig nach Amsterdam gefahren, um dort mit den Kollegen vor Ort alles zu organisieren. Als wir diesen September mit dem ersten Testzug nach Amsterdam fuhren, war es fast wie ein Nachhausekommen. Abgesehen davon, ist Amsterdam eine tolle Stadt und ich finde die Leute dort ziemlich cool. Die Niederländer sind ohnehin entspannt und locker.

Und weshalb fährt der neue Nachtzug aus planerischer Sicht nach Amsterdam?

Amsterdam ist DIE top Flugdestination ab Zürich - direkt nach London. Die Nachfrage ist also definitiv da! Die Züge werden sich füllen, sobald die Pandemie vorbei ist. Auf internationalen Strecken müssen die Züge zudem verschiedene Kriterien erfüllen, um zugelassen zu werden. Beispielsweise gibt es Strecken, wo Nachtzüge eine Geschwindigkeit von 200 km/h erreichen müssen. Unsere Schlafwagen können aber nur 160 km/h fahren. Auf der Strecke nach Amsterdam geht das. Ein grosses Plus ist auch, dass wir mit den ÖBB, der NS und auch der DB gute Partnerbahnen haben, die mit uns das Nachtnetz ausbauen.

Weshalb setzt die SBB wieder vermehrt auf Nachtzüge?

Wir machen heute Nachtzüge für die Generation von morgen. Wenn in einigen Jahren die Schüler und Schülerinnen der Fridays-for-Future-Bewegung ihr erstes eigenes Geld verdienen, möchten sie ebenfalls Reisen können, um Europa zu entdecken. Und da ist es unsere Aufgabe als Bahnen Europas ihnen ein Netz an attraktiven Verbindungen anzubieten. Und der Nachtzug ist im internationalen Verkehr eine tolle Variante zum Reisen: keine Gewichtsbegrenzung beim Gepäck, die Privatsphäre in den Schlafabteilen und man kommt direkt im Zentrum der Metropolen an.

Was gefällt dir persönlich am Nachtzugfahren?

Der Nachtzug ist etwas Traumhaftes – einfach im Schlaf zu Sehnsuchtsdestinationen wie Prag, Berlin, Wien oder neu auch nach Amsterdam reisen – um den Rest kümmert sich die Crew im Zug. Du musst dir um nichts Gedanken machen. Es ist einfach ein rollendes Hotel. Und am nächsten Tag wachst du erholt inmitten einer anderen Stadt auf.

Amsterdam – Grachten und mehr
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