Das Projekt des neuen SBB Instandhaltungswerks oder NSIF (steht für nuovo stabilimento industriale ferroviario) geht voran, obwohl beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer) eine Beschwerde gegen den Zuschlag erhoben wurde. Dieser ging an das Consorzio Officine Ticinesi (OFT) als Totalunternehmen. Dadurch wird der Bau des Hauptgebäudes, der im Juli 2024 hätte beginnen sollen, blockiert. Dafür schreiten die Arbeiten an der Infrastruktur planmässig voran und auch die landwirtschaftlichen Kompensationen der Fruchtfolgeflächen (FFF) starten im September – mit Ausnahme einiger Flächen in Biasca, für die beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer) eine Beschwerde der Gemeinde Biasca hängig ist. Die SBB will das Projekt NSIF schnellstmöglich umsetzen, denn es ist von grosser Bedeutung.
Nachdem die Angebote für den Gebäudebau eingegangen waren, lagen die Gesamtkosten im Winter 2023/24 deutlich über den ursprünglich geplanten 580 Millionen Franken. Deshalb musste das Projekt optimiert werden. Im Juni 2024 bewilligte der SBB Verwaltungsrat unter Berücksichtigung des aktuellen Zeitplans insgesamt 755 Millionen Franken. Diese Grossinvestition setzt ein starkes Signal und zeigt das Engagement der SBB, eines der wichtigsten Industrieprojekte in der Geschichte des Kantons Tessin umzusetzen. Aktuell verhindert die Beschwerde beim BVGer den Baustart des Hauptgebäudes und die SBB kann sich nicht zum Zeitplan äussern, da dieser vom Entscheid des BVGer abhängig ist. Klar ist jedoch, dass sich die Inbetriebnahme mit jedem verlorenen Monat automatisch um einen Monat verzögert. Dies hat erhebliche wirtschaftliche und planerische Konsequenzen, insbesondere für die Instandhaltungsarbeiten, die im zukünftigen Werk in Arbedo-Castione geplant sind. Zu den wichtigsten Fahrzeugen, die das NSIF unterhalten soll, gehören die Giruno-Triebzüge. Für diese muss nun eine Übergangslösung gefunden werden und auch der für September geplante Spatenstich-Event wird verschoben.
Die Arbeiten an der Bahninfrastruktur für das neue Werk haben planmässig im März 2023 begonnen und schreiten zügig voran. Im letzten Jahr wurden Vorarbeiten durchgeführt: Auf der Hauptlinie wurden zwei provisorische Weichen eingebaut und unter der Hauptbahnlinie wurden Durchgänge für die neue Infrastruktur (Strom, Wasser, Bahntechnik etc.) gebaut. Zudem wurde ein Teil des Projektgeländes auf- und vorbereitet sowie ein neues Bahntechnikgebäude errichtet und installiert. Darin wird die neue Steuerungsanlage für den Bahnverkehr mit ETCS-Level-2-Technologie untergebracht. 2024 folgten die Arbeiten für das neue Gleisfeld 600, das für das Rangieren von Güterzügen nötig ist, sowie die neue Galletto-Unterführung für den Langsamverkehr, welche die bestehende ersetzen wird. Gleichzeitig wurde an der provisorischen und definitiven Verkehrsführung (insgesamt zwei Kilometer Strasse) sowie am Veloweg entlang der beiden Flüsse Tessin und Moesa gearbeitet. Zudem wurden die Wassersysteme sowie die Stromkabel von AMB und Swisscom komplett erneuert.
Ab September gehen die Vorbereitungsarbeiten für das noch nicht aufbereitete Gelände weiter. Anfang Dezember 2024 wird die Gleisgruppe 600 in Betrieb genommen. Darüber können die Züge, die von Norden her in die Coop-Verteilzentrale fahren, umgeleitet werden, was den Bahnhof Castione-Arbedo entlastet. So können dort die umfassenden Anpassungsarbeiten an der Bahnanlage beginnen, die bis zur Inbetriebnahme des NSIF dauern werden. Anfang 2025 starten dann die Arbeiten für die Gleisfelder beim neuen Werk.




