Die SBB benötigt bis Anfang der 30er Jahre bedeutend mehr Kapazitäten für die Inbetriebsetzung, die Instandhaltung und die Modernisierung neuer und vorhandener Züge. Ab 2025 Jahre realisiert sie deshalb ein neues Werk in Arbedo-Castione (NSIF) sowie neue Serviceanlagen in Weinfelden, Rorschach, Aigle und im Perimeter der S-Bahn Zürich. Darüber hinaus werden bestehende Anlagen – im Fokus stehen hier die beiden Werke in Yverdon-les-Bains und Olten – modernisiert und erweitert. Basis für die Entwicklung der Instandhaltungskapazitäten ist der von Anlagen (Produktion Personenverkehr) erarbeitete Richtplan Instandhaltungsanlagen, der jährlich aktualisiert und mit dem Rollmaterialeinsatzplan (REP) von Markt Personenverkehr abgestimmt wird.
In der Entwicklung ihrer Instandhaltungsanlagen orientiert sich die SBB am Grundsatz der «haushälterischen Nutzung des Bodens», wie es die Raumplanung in der Schweiz postuliert. Priorität liegt also auf der Verdichtung bestehender Areale und der (Mehrfach-)Nutzung bereits bebauter Flächen. Die grossflächige Überbauung von Grünflächen ist dagegen nur in gut begründeten Ausnahmen realisierbar.
Bei der Modernisierung und Erweiterung bestehender Standorte kommt auch die so genannte «Testplanung» zum Einsatz, ein raumplanerisches Instrument zur koordinierten Entwicklung komplexer Areale. Beispiel SBB Werk Olten: Ein 180 000 m2 grosses und topografisch anspruchsvolles Industrieareal mit einer 150 jährigen Geschichte, einem Gebäudekonglomerat aus verschiedenen Epochen und einer stark fragmentierten Struktur.
Im Prozess der Testplanung im Werk Olten wurden die Nutzer, SBB interne Stakeholder sowie verschiedene externe Interessengruppen involviert. Dazu gehören die Stadt Olten, der Kanton Solothurn und insbesondere die Stellen der Denkmalpflege (SBB, Bund und Kanton). Die Methodik der Testplanung ermöglicht es der SBB, ihre Verpflichtung punkto historischen Erbes auf Basis der Abwägung von Nutz- und Schutzinteressen wahrzunehmen. Die gemeinsame Bewertung aller Interessen zeigt am Ende auf, wie mit den Herausforderungen als Ganzes umgegangen werden kann. So können die für die Weiterentwicklung des Areals wertvollen Handlungsspielräume präzise formuliert werden.
Lösungsvorschläge wurden durch drei selektierte, interdisziplinär (Städtebau, Produktion, Logistik, Denkmalpflege, Nachhaltigkeit) zusammengesetzte Planerteams in einem mehrstufigen Prozess erarbeitet. Beurteilt wurden die Lösungsvorschläge durch eine Jury, in der neben den Nutzern, die internen und externen Stakeholder sowie externe Experten aus Industrieproduktion/Logistik, Städtebau, Landschaftsarchitektur und Denkmalpflege vertreten waren.
Im Ergebnis liegt ein räumlich-funktionales Leitbild für die Arealentwicklung vor – die Standortstrategie. Sie veranschaulicht, wie die kurz-, mittel- und langfristige Verdichtung des Werks aussehen und schrittweise umgesetzt werden kann. Die Standortstrategie ist ein robustes, auf den betrieblichen Bedürfnissen aufbauendes räumlich-funktionales Entwicklungskonzept mit ausreichend Flexibilität für die Horizonte 2035 und 2050+. Sie berücksichtigt neben den Aspekten von Raumplanung und Städtebau auch Anforderungen der Nachhaltigkeit sowie Schutzinteressen, wie insb. Denkmalschutz. Ziel ist es, den strategisch bedeutsamen Instandhaltungsstandort Olten weiter zu stärken und auf die mittel- und langfristigen Bedürfnisse im Bereich der Instandhaltung von Zügen des Personenverkehrs auszurichten. Gemeinsam ist allen Planungen und Vorhaben, dass die Weiterentwicklung der bestehenden Werke und Serviceanlagen sowie die Realisierung neuer Standorte auch die Attraktivität der Arbeitsplätze und damit verbunden der SBB als Arbeitgeberin positiv beeinflussen soll.




