Das Digitalisieren der SBB Plakate sei wie das Bergen eines Schatzes, meint Andrea Kuratli. Sie ist Archivarin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SBB Historic. Vor über zwei Jahren hat sie zusammen mit einer Mitarbeiterin mit der Erschliessung und Digitalisierung der Plakate begonnen. Immer noch sind es unzählige Kartonrollen, die sich im Magazin stapeln. Die genaue Anzahl kennt sie nicht. Mit ihrer Hochrechnung geht sie aber von ungefähr 8500 Plakaten aus oder anders gesagt: von noch mindestens anderthalb Jahren Arbeit.
Von der Erdölkrise über die Elektrifizierung bis hin zur Bewerbung der Tourismusdestination Schweiz. Andrea Kuratli macht mit der Digitalisierung der SBB Plakate das Zeitgeschehen und die gesellschaftliche Stimmung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

«Bilder muss man sehen, um einen Eindruck zu erhalten.»— Andrea Kuratli
Im Sammlungsmagazin von SBB Historic hat Andrea Kuratli mit viel Kreativität und Herzblut ihren Arbeitsbereich, die Repro-Station, aufgebaut. Dort fotografiert und digitalisiert sie die Plakate. Schwarz eingekleidete Wände umgeben den Vakuumtisch. Mit diesem werden Plakate an die Tischplatte gesaugt, damit sie keine Wölbungen mehr haben. Über dem Vakuumtisch ist die Kamera installiert. Bei jedem Arbeitsbeginn kalibriert Andrea Kuratli diese und prüft die Lichtverhältnisse. Hat sie die Plakate fotografiert, erfasst sie auch Format, Material, Herstellungstechnik und Erhaltungszustand in der Datenbank. So ist das Retrodigitalisierungsprojekt – also Plakate aus Papier zu digitalisieren – zugleich auch eine Inventur.
Früher haben Künstlerinnen und Künstler im Auftrag der SBB Bilder gemalt. Diese wurden auf Steinplatten übertragen. Jede Farbe einzeln. Die einzelnen Farben wurden dann mit der Drucktechnik «Lithografie» in mehreren Druckdurchgängen übereinandergedruckt, bis das fertige Plakat entstand. Auch heute noch ist SBB Historic im Besitz von Originalbildern namhafter Künstlerinnen und Künstler.
«Plakate sollen nicht in einem Archiv verstauben, sondern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden.»— Andrea Kuratli
Die SBB Plakate zeigen Themen, die verkehrsgeschichtlich oder sozial wichtig waren.
Dazu gehörten beispielsweise die Elektrifizierung der Bahn oder das günstige Familienbillett in den Nachkriegsjahren. Ab den 1950er Jahren war das Auto eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Bahn. Darum wurde ab dann mit den Vorzügen der Bahn als sicheres und bequemes Reisemittel geworben.
Mit der Digitalisierung der Plakate wird nun die grosse Plakatsammlung erschlossen und als Zeitzeuge dem breiten Publikum zugänglich gemacht sowie für zukünftige Generationen erhalten.
Dank der Digitalisierung sind die SBB Plakate online einsehbar. Reproduktionen können für den privaten Gebrauch bei SBB Historic bestellt werden:
Hans Erni 1942 , P_A01_0018deFred Stauffer 1952 , P_A01_0021A_deHans Thöni und Werner Belmont 1958 , P_A01_0054deAuchli Herbert und Walter Studer 1966 , P_A01_0089deHans P. Schaad 1971 , P_A01_0113deMarc Rudin 1973 , P_A01_0122deJames Gabriel Perret 1973 , P_A01_0124deElfie Semotan / GGK 1992 , P_A01_0178de
Auf dem
Am 24. November 2022 findet eine Führung über die Plakate zur Einführung des Taktfahrplans und zu weiteren Plakaten statt: SBB Historic | Wir fahren mit Takt.
Aber nicht nur der Taktfahrplan feiert Jubiläum: Die Schweizer Bahnen feiern ihr 175-jähriges Bestehen mit verschiedenen Publikumsanlässen. Zu den Highlights gehören beispielsweise Tage der offenen Tür in Werkstätten, Führungen oder historische Fahrten. Weitere Informationen gibt es unter
Andrea Kuratli ist Archivarin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Sammlungen. Sie verfügt über einen Master in Ethnologie, Geografie und Kunstgeschichte Ostasiens mit Schwerpunkt der visuellen Anthropologie sowie einen Master in Informationswissenschaften. Seit 2018 arbeitet sie bei SBB Historic, der Stiftung Historisches Erbe der SBB, und hat 2019 mit der Digitalisierung der Plakate begonnen.



