Die SBB trägt Verantwortung für ein leistungsfähiges, zuverlässiges und finanzierbares Bahnsystem in der ganzen Schweiz. Deshalb unterstützt sie die Vorlage Verkehr ’45 und empfiehlt klare Prioritäten beim weiteren Ausbau. Die SBB will Sicherheit, Pünktlichkeit und Leistungsfähigkeit der Bahn langfristig sichern. Gleichzeitig muss die Finanzierung des weiteren Ausbaus realistisch und transparent gestaltet sein.
Die SBB betrachtet die Entwicklung der Bahn aus einer gesamtschweizerischen Perspektive. Entscheidend sind Lösungen, die dem gesamten Netz und den Reisenden und Güterkunden in allen Regionen zugutekommen.
Die SBB bringt eine klare Prioritätenordnung in die Vernehmlassung ein: Aus ihrer Sicht reichen die verfügbaren finanziellen Mittel nicht aus, um alle vorgesehenen Massnahmen der nächsten Ausbauschritte (Botschaften 27 und 31) umzusetzen.
An erster Stelle steht für die SBB der Substanzerhalt. Das bestehende Bahnnetz muss zuverlässig erneuert und instandgehalten werden. Nur so bleiben Sicherheit, Pünktlichkeit und Verfügbarkeit der Bahn für Reisende und Güterkunden langfristig gewährleistet. Neue Ausbauten des Netzes sind nur dann nachhaltig, wenn auch ihr Betrieb, der Unterhalt und die spätere Erneuerung finanziert sind.
An zweiter Stelle steht für die SBB die vollständige Umsetzung der Infrastrukturmassnahmen für den Ausbau des Bahnangebotes im Horizont 2035. Dieser schafft die Kapazitäten für die absehbare Nachfrage: im Mittelland, in der Genferseeregion und im Raum Zürich. Konkret braucht es den Viertelstundentakt zwischen Zürich und Bern, mehr Verbindungen am Arc lémanique und den Halbstundentakt zwischen Luzern und Bern.
Eine zentrale Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Bahnsystems ist die Digitalisierung. Die vorhandene Infrastruktur kann besser ausgelastet werden. Dank digitaler Technologien können künftig mehr Züge dichter, stabiler und pünktlicher auf dem bestehenden und geplanten Netz verkehren. Die Digitalisierung leistet einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des zukünftigen Mobilitätswachstums.
Die SBB bekennt sich zum weiteren Ausbau der Bahninfrastruktur. Massgebend für die Priorisierung müssen jedoch die Nachfrage und die Wirtschaftlichkeit sein. Dringend notwendige Grossprojekte aus einer übergeordneten schweizweiten Sicht auf die Mobilität sind für die SBB:
- Tiefbahnhof Genève Cornavin
- Viertes Gleis Zürich Stadelhofen
- Zimmerbergbasistunnel II
- Kapazitätsausbau bestehender Bahnhof Basel SBB
- Kopf-Tiefbahnhof Luzern (1. Etappe)
- Morges-Perroy (Beschluss in Botschaft 31)
- Beseitigung Engpass Heitersberg (Beschluss in Botschaft 31)
Die Grossprojekte allein schaffen noch keine zusätzlichen Sitzplätze. Dafür braucht es auch längere Perrons an weiteren Bahnhöfen, zusätzliche Abstellanlagen und weitere betriebliche Ausbauten. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Grossprojekte ihren vollen Nutzen entfalten. Sie müssen von Anfang an verbindlich mitgeplant und finanziert werden und nicht nachträglich. Nur so bringt der Ausbau des Bahnnetzes tatsächlich zusätzliche Verbindungen dank mehr Zügen.
Mehr Verlässlichkeit heisst: Der Fokus auf Substanzerhalt und Digitalisierung erhöht die Stabilität des Bahnsystems und reduziert das Risiko von Störungen, Verspätungen und Kapazitätsengpässen. Mehr Bahn heisst: Gezielte Ausbauten ermöglichen dort zusätzliche Kapazitäten, wo die Nachfrage am stärksten wächst und die grösste Wirkung erzielt werden kann. Weitergehende Ausbauten sind strikt anhand ausgewiesener Nachfrage und Wirtschaftlichkeit zu priorisieren. Das Prinzip «die Nachfrage bestimmt Angebot, und das Angebot bestimmt die notwendige Infrastruktur» gilt weiter. Infrastrukturen sind kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: Die Bahn dient den Bedürfnissen der Reisenden, der Güterkunden und einer leistungsfähigen Mobilität in der ganzen Schweiz.



