Bei einer Rollstuhlfahrerin oder einem Menschen mit Blindenstock ist für Aussenstehende klar: Diese Person lebt mit einer Behinderung oder Krankheit. Doch nur bei rund 20 Prozent der Menschen mit einer Behinderung ist diese auch augenfällig. Bei der grossen Mehrheit sind Einschränkungen und/oder Symptome von körperlichen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen auf den ersten Blick nicht sichtbar. Und diese sind vielfältig: Gehörlosigkeit, Erkrankungen der inneren Organe, Depressionen und Autismus-Spektrum-Störungen fallen genauso unter unsichtbare Behinderungen wie Angstzustände, Multiple Sklerose, Demenz oder Migräne – um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Rund 80 Prozent aller Menschen mit einer Behinderung haben eine sogenannte «unsichtbare Behinderung». Was genau gehört zu den unsichtbaren Behinderungen und wie unterstützt die SBB Reisende? Ein Überblick.

Viele Menschen, ungewohnte Umgebungen und zahlreiche Sinneseindrücke: Reisen ist für viele mit Stress verbunden. Das ist eine Herausforderung, insbesondere für Menschen im Autismus Spektrum oder Fahrgäste mit psychischen oder neurologischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Migräne. Hinzu kommt, dass das Thema in der Gesellschaft weniger präsent ist und Menschen mit unsichtbarer Behinderung im Leben eher auf Fragen und Unverständnis stossen als Menschen mit sichtbaren Einschränkungen. Das spielt auch beim Reisen eine Rolle: Setzen sich im Zug beispielsweise Personen mit sichtbaren Geh- oder Sehbinderungen auf einen Platz für Menschen mit Behinderung, löst dies bei Mitreisenden kaum Fragen aus. Auch sind viele Reisende bereit, ihren Platz freizugeben. Menschen mit unsichtbaren Behinderungen müssen sich hingegen eher rechtfertigen.

Die SBB bietet das «Sunflower Lanyard» schweizweit in all ihren Reisezentren an. Betroffene erhalten gratis und ohne Nachweispflicht den Sonnenblumenbändel. Sie können ihn situativ und nach ihrem Ermessen tragen und so auf ihre unsichtbare Behinderung aufmerksam machen. So können SBB Mitarbeiter:innen den Betroffenen Zeit geben und nachfragen, ob Hilfe gewünscht wird. Die SBB hat dafür das Personal im Kundenkontakt geschult.
- Autismus Schweiz
- ADHS Organisation elpos Schweiz
- EnableMe Schweiz –Stiftung Myhandicap
- Schweizerischer Gehörlosenbund SGB-FFS
- Vereinigung Cerebral Schweiz
- FoRom écoute
- ProRaris - Allianz Seltener Krankheiten Schweiz
- Pro Audito Schweiz
- Alzheimer Schweiz
- Stiftung Plattform Mäander
- Angelman Verein Schweiz
- SBH- Spina Bifida und Hydrocephalus Schweiz
- Procap
- Verein hiki – Hilfe für hirnverletzte Kinder
- Sonos – Schweizerischer Hörbehindertenverband
Im Schweizer ÖV ist die SBB Vorreiterin: Nach der Einführung im Juni 2025 in den Regionen Zürich und Genf war das Interesse an den «Sunflower Lanyards» gross und die Resonanz sehr positiv. Die Einführung ist gelungen, in den ersten sechs Monaten wurden über 10 000 Bändel verteilt. Darum sind nun die Bändel in sämtlichen SBB Reisezentren der Schweiz erhältlich.
Die SBB ist Mitglied von «Hidden Disabilities Sunflower». Die Initiative entstand 2016 am Flughafen Gatwick in London, um Passagiere mit nicht sichtbaren Einschränkungen beim Reisen zu unterstützen. Heute wird das Erkennungszeichen – das «Sunflower Lanyard» – bei vielen Fluggesellschaften weltweit genutzt. Nun ist der Bändel auch im Schweizer ÖV präsent. Je mehr Unternehmen mitmachen, desto wirkungsvoller ist die Unterstützung für Reisende.



