Hintergrundinformationen
Hat die SBB bereits zu einem früheren Zeitpunkt Energiesparmassnahmen getroffen?
Aktuell produziert die SBB aufgrund tiefer Pegelstände der Stauseen weniger Strom. Unsere Seen sind derzeit zu 73 Prozent gefüllt. Der 10-Jahresschnitt beträgt 86 Prozent. Damit die SBB auch in einer Mangellage eigenen Strom erzeugen und damit das Bahnangebot bestmöglich aufrechterhalten kann, hält sie ihre Stauseen derzeit möglichst gefüllt. Dazu muss die SBB Ersatzenergie zu stark steigenden Kosten am Markt beschaffen. Dies hat sich bereits im ersten Halbjahr negativ aufs Ergebnis des Bereichs Infrastruktur Energie ausgewirkt und wird das Jahresergebnis 2022 zusätzlich belasten.
Die SBB hat bereits diverse Massnahmen zum Gas- und Stromsparen getroffen: Sie spart 15 Prozent ihres Gasverbrauchs ein, indem sie Gebäude weniger heizt und Anlagen von Gas auf Öl umstellt, obwohl dies die CO2-Bilanz verschlechtert. In den Bürogebäuden wurde die Beleuchtung und Beheizung reduziert und das Warmwasser abgestellt. Es wird ganz auf die Beleuchtung von Fassaden und Logos an Bürostandorten verzichtet. Die SBB appelliert an ihre Mitarbeitende, wo immer möglich Energie zu sparen.
Wie lange ist eine Energiemangellage bereits Thema bei der SBB?
Gemeinsam mit dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hat die SBB bereits die Ergebnisse der nationalen Risikoanalyse 2020 zum Anlass genommen, die Auswirkungen einer Strommangellage zu vertiefen und Handlungsbedarfe abzuleiten. Seit Anfang 2021 besteht ein systematischer und direkter Austausch mit den zuständigen Bundesämtern und Institutionen. Im Dezember 2021 beauftragte der Vorstand des VöV die Erarbeitung eines Minimalstandards für Bedarfssenkungen bei Strommangellagen für die gesamte öV-Branche.
Wie bereitet sich die SBB auf eine Energiemangellage vor?
Eine Arbeitsgruppe mit Vertreter:innen aus der ganzen SBB kümmert sich intensiv um dieses Thema. Sie gibt Aufträge in die Organisation und stellt als Bindeglied die Abstimmung mit dem Bund sicher.
Die Risiken einer Strom- oder Gasmangellage werden intensiv, systematisch und im direkten Austausch mit den zuständigen Bundesämtern und Institutionen bearbeitet. Die SBB wird dabei vom Verband öffentlicher Verkehr begleitet. Aktuell werden gemeinsam mit der Branche (VöV) sowie dem Bundesamt für Verkehr entsprechende Konzepte erarbeitet und auf Machbarkeit geprüft. Ziel ist es, in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der Branche konkrete Vorbereitungsmassnahmen einzuleiten.
Was wären die Auswirkungen einer Strommangellage auf Kundinnen und Kunden?
Der öffentliche Verkehr ist für die Aufrechterhaltung seiner Leistungsfähigkeit auf eine zuverlässige, sichere Versorgung mit elektrischer Energie angewiesen. Eine Strommangellage hätte Folgen für den Betrieb des hochtechnisierten Systems. Damit die Züge der SBB fahren können, benötigt es zwei verschiedene «Arten» von Strom: Bahnstrom in der Fahrleitung (16,7 Hz Strom) und Haushaltsstrom für die Bahntechnik (50 Hz Strom). Wegen der hohen Energieeffizienz gibt es nur geringes Sparpotenzial. Weitere Sparanstrengungen werden sehr schnell für die Kundinnen und Kunden spürbar. Bei einer verordneten Begrenzung des Stroms durch den Bund müsste das Bahnangebot stark reduziert werden. Bei zyklischen Netzabschaltungen müsste der Bahnbetrieb eingestellt werden.
Ist die SBB Systemführer?
Ja, das Bundesamt für Verkehr hat im Hinblick auf einen allfälligen Energiemangel vorsorglich SBB und Postauto als Systemführer für den öffentlichen Verkehr eingesetzt. SBB für die Schiene, Postauto für den öffentlichen Verkehr auf der Strasse. Sie sollen gegenüber den Transportunternehmen die in der Branche erarbeiteten Energiesparmassnahmen kommunizieren und sicherstellen, dass eine allfällige Ausnahmesituation in branchenweiter Koordination bewältigt würde.