Der Abschlussbericht der SUST (Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle) bestätigt, dass ein Radscheibenbruch mit einem von LL-Bremssohlen (siehe Box) gebremsten Rad die Unfallsursache war. Diese Güterwagen gehören international tätigen Wagenhaltern, und die SBB und andere Eisenbahnverkehrsunternehmen befördern sie innerhalb der Schweiz und Europa. Die SBB hat jedoch keinen Einfluss auf Bauweise und Instandhaltung, trägt aber das Risiko und die finanziellen Folgen von Entgleisungen.
Die Häufung von Ereignissen in Europa zeigt, dass das Unfallrisiko zugenommen hat. LL-Bremssohlen führen zu höheren thermischen Belastungen von Rädern als die früheren Graugussbremssohlen. Trotzdem werden gemäss SUST-Bericht nach wie vor die gleichen Wartungsmethoden angewandt. Thermische Belastungen können zu Spannungen und Rissen führen, die allenfalls Radbrüche mit potentiell verheerenden Auswirkungen verursachen.
Es braucht deswegen so rasch wie möglich griffige Massnahmen. Die SBB unterstützt die Sicherheitsempfehlungen der SUST und fordert die zuständigen Behörden in der Schweiz (BAV, Bundesamt für Verkehr) und vor allem in Europa (ERA, Eisenbahnagentur der europäischen Union) zum raschen Handeln auf. Ansonsten muss aus Sicht der SBB der Einsatz von Güterwagen mit LL-Bremssohlen in der Schweiz und in Europa eingeschränkt oder gar verboten werden.
Die SBB wird im Güterverkehr schrittweise und so schnell wie möglich aus dem Transport von Wagen mit LL-Bremssohlen aussteigen, bis griffigere behördliche Massnahmen zur Modernisierung und Verbesserung des Unterhalts erlassen wurden. Der Grossteil des Ausstiegs wird bis Ende Jahr und in enger Absprache mit den Kunden erfolgen, um deren Logistikabläufe so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die SBB möchte diese Verkehre weiterhin führen, jedoch mit sicheren Wagen. Im Eigentum des SBB Güterverkehrs befinden sich keine Wagen mit LL-Bremssohlen. Im Übrigen wird die SBB Güterwagen intensiver kontrollieren, um sichtbare Mängel zu erkennen. Haarrisse in Rädern durch thermische Überbelastung sind visuell allerdings nicht auszumachen, sondern nur in Instandhaltungswerken.
Die SBB steht zur Verfügung für das Gespräch mit dem BAV und der Güterverkehrsbranche. Das Ziel ist es, die Sicherheit im Güterverkehr nachhaltig zu erhöhen. Entsprechende Vorstösse sind im eidgenössischen Parlament hängig. Eine angemessene Haftungsbeteiligung der Wagenhalter würde die Sicherheit im Bahnsystem ebenfalls erhöhen: Sie hätten ein Interesse, mehr als nur das Notwendige in Überwachung, Instandhaltung und Modernisierung der Wagen zu investieren.
Wie bereits vor Erscheinen des SUST-Abschlussberichts kommuniziert, unternimmt die SBB alles, um die Sicherheit auf der Bahninfrastruktur zu gewährleisten. Sie betreibt dafür ein dichtes Sicherheits-Überwachungsnetz und hat bereits Massnahmen im Zusammenhang mit der SUST-Empfehlung zu den Weichen umgesetzt: Sie hat die Geschwindigkeit bei den Portalbereichen des Gotthard-Basistunnels auf 160 km/h reduziert. Die SBB plant zudem, bei den Spurwechseln vor und im Gotthard-Basistunnel Entgleisungsdetektoren zu installieren. Aktuell wird der Prototyp erstellt.
Der Sicherheitshinweis an SBB Cargo bezüglich Nachweisführung der technischen Kontrolle der Züge wird umgesetzt. Auch hat die SBB hohe Sicherheitsanforderungen an ihre eigenen Wagen.



