Frau Baer, welches ist Ihr Eindruck nach den ersten Tagen Ihrer Einarbeitungsphase bei SBB Cargo?
Désirée Baer: Ich treffe auf sehr engagierte Mitarbeitende, die offen sind für einen Führungswechsel und sich zur neuen Partnerschaft mit Swiss Combi (bestehend aus den Firmen Planzer, Camion Transport, Bertschi und Galliker) bekennen.
Herr Perrin, nach 13 Jahren geben Sie die Leitung bei SBB Cargo ab. Sind Sie wehmütig?
Nicolas Perrin: Es war eine sehr spannende und intensive Zeit, die ich bei SBB Cargo verbrachte. Es ist klar, dass mich der Abschied als Leiter des Unternehmens emotional bewegt. Ich freue mich aber, dass mit Désirée Baer eine kompetente Nachfolgerin gefunden wurde, und freue mich auf meine Zukunft.
Die Güterbahn hat bewegte Zeiten hinter sich. Welches war der schönste Moment?
Perrin: Sicher bleiben wird mir der Augenblick, als wir vor über 15 Jahren den ersten eigenen Zug mit SBB Cargo in Deutschland und in Italien fuhren. Nach der Liberalisierung des Schienengüterverkehrs hatten wir eine Pionierrolle eingenommen. Hervorheben möchte ich auch, dass wir 2013 zum ersten Mal nach über vier Jahrzehnten schwarze Zahlen schrieben. Zudem freut es mich, dass die Güterwagen im kombinierten Verkehr in der Schweiz seit einem Jahr automatisch gekuppelt werden. Das ist ein erster Schritt in die Zukunft des Schienengüterverkehrs. Letztlich zählt jedoch die Summe von allem – und die vielen positiven Begegnungen und Arbeiten mit Menschen.
Frau Baer, Sie bringen grosse Führungserfahrung mit: Zuletzt haben Sie die Securitrans geleitet, und früher waren Sie Geschäftsführerin des Start-ups Eyezone, eines Optik-Retailers. Haben Sie auch Führerstandserfahrung?
Baer: Bei der SBB fuhr ich schon öfter im Führerstand mit. Zwar noch nie mit einem Güterzug, aber mit Rangier- und Bauzügen. Ich lenkte sogar schon selbst das hochmoderne Unterhaltsfahrzeug für den Gotthardbasistunnel – auf einem Gleis beim Lieferanten. Es war ein sehr tolles Gefühl, die vielen PS zu spüren. Ich freue mich, wenn ich künftig auch mit unseren Mitarbeitenden regelmässig auf einem Güterzug mitfahren darf.
Was verbindet Sie mit der Güterbahn? Als Geschäftsleitungsmitglied bei SBB Infrastruktur waren Sie ja für Logistikprozesse verantwortlich.
Baer: Wir arbeiteten bei SBB Infrastruktur eng mit SBB Cargo zusammen, etwa beim Unterhalt der Flotte und bei Beschaffungen und Innovationen. Wir hegten auch Pläne für einen gemeinsamen Logistik-Hub in Hägendorf, verfolgten sie aber nicht weiter. Auch bei der Securitrans, die ich bis vor Kurzem leitete, arbeiteten wir für die Baulogistik mit SBB Cargo zusammen. Deshalb kannte ich schon einige Leute in diesem Unternehmen.
Die Logistikbranche ist eine Männerwelt. Wie kommen Sie damit klar?
Baer: In den letzten 25 Jahren bewegte ich mich beruflich nur in Männerwelten, ich begann ja in der Finanzbranche und arbeitete dann in der Beratungsbranche. Deshalb habe ich gar keine Bedenken. In der Geschäftsleitung von SBB Cargo sind wir nun übrigens mehr Frauen als Männer, das wird für mich eine neue Erfahrung sein.
Herr Perrin, Sie sind künftig als Verwaltungsrat von SBB Cargo tätig. Welches sind Ihre Ziele?
Perrin: Unsere Aufgabe ist primär, die Strategie des Unternehmens festzulegen und zusammen mit dem Management eine gute Planung sicherzustellen. Ich werde vor allem die Interessen der SBB und generell der Bahn einbringen. Das ist eine der Stärken der Schweiz, dass die Bahn als Gesamtsystem gedacht wird und nicht als Summe von Einzelinteressen. Zudem gehe ich davon aus, dass ich meine Erfahrung und mein Netzwerk einbringen kann. Sicher zurückhalten werde ich mich aus dem operativen Geschäft, aber das fällt mir auch nicht schwer, weil es in guten Händen ist.




