Die SBB treibt die Digitalisierung in allen Bereichen voran: Dank ihr kann sie deutlich mehr aus dem Bahnnetz herausholen. Die prognostizierte weitere Zunahme der Mobilität kann besser bewältigt werden. Ziel ist ein digitales, vernetztes Bahnsystem: digitale Stellwerke, präzise ortbare Züge dank Führerstandssignalisierung, weiterentwickelte Leitsysteme sowie eine Verkehrssteuerung, die noch besser in Echtzeit die Verkehrslage abbildet.
Die SBB hat heute den Auftrag zur Digitalisierung der Stellwerke im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung vergeben. Den Zuschlag erhalten Hitachi, Siemens und Stadler Rail. Die SBB hat den Auftrag gemäss den beschaffungsrechtlichen Bestimmungen vergeben. Massgebliche Kriterien für die Vergabe waren die Wirtschaftlichkeit, zukunftsgerichtete Entwicklung, Qualität der technischen Entwicklung und Leistungen (mehr Infos zur Ausschreibung siehe Box).
Da es sich um eine neue Generation von Stellwerken handelt, werden diese bis zu den ersten Inbetriebnahmen mit den gewählten Lieferanten für die Anwendung auf dem dicht befahrenen Netz mit Güter- und Personenverkehr erprobt und auf Funktionsfähigkeit geprüft.
Die Einführung digitaler Stellwerke ist die zentrale Voraussetzung für die Umsetzung der Führerstandsignalisierung – ein System, das den Lokführerinnen und Lokführern alle Signale und wichtigen Fahrinformationen direkt im Führerstand anzeigt und nicht mehr mittels Signalen entlang der Strecke. Dies ist die Grundlage, damit mehr Züge und in kürzeren Abständen verkehren können.
Mit einer neuen Generation digitaler Stellwerke wird ein einheitliches, zukunftsfähiges System eingeführt. Die Komponenten sind standardisiert und modular aufgebaut, sodass einzelne Teile bei Bedarf einfacher ausgetauscht werden können. Das macht die Anlagen flexibler und günstiger im Betrieb; sie sind auch leichter zu modernisieren.
Stellwerke sind das Herzstück des Bahnbetriebs: Sie steuern Weichen, Signale und Fahrten und sorgen dafür, dass Züge sicher und pünktlich verkehren. Die Modernisierung der Stellwerke ist der zentrale Hebel, um das Netz effizienter und noch zuverlässiger zu machen. Davon profitieren die Reisenden und letztlich alle Steuerzahlenden.
Heute betreibt die SBB knapp 500 Stellwerke in der Schweiz. Sie stammen aus verschiedenen, teils veralteten Generationen. Das bedeutet: Hohe Komplexität und grosser Wartungsaufwand. Etwa die Hälfte der Stellwerke sind noch Relaisstellwerke. Diese beruhen auf Technologie aus den 1950er-Jahren und erreichen das Ende ihrer Lebensdauer; auch das Fachwissen für deren Wartung geht verloren. Mit dieser Technik lässt sich das Netz nicht mehr weiterentwickeln – der Einbau von zusätzlichen Weichen ist beispielsweise nicht möglich.
Die Modernisierung der Stellwerke beginnt mit den ersten Inbetriebnahmen voraussichtlich ab 2029 und dauert insgesamt rund 40 Jahre. 80 Prozent der Anlagen werden in den nächsten 20 Jahren ersetzt. Der Ersatz der Stellwerke richtet sich nach verschiedenen Kriterien, insbesondere dem Ende der Lebensdauer, dem Kundennutzen im Rahmen der Ausbauten und der schweizweiten Umsetzung der Führerstandsignalisierung. Künftig wird die SBB mit dem Einsatz neuer Technologien deutlich weniger Stellwerke benötigen.


