Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat am 29. September 2026 den Standbericht zur Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) mit Stand Ende 2025 publiziert. Daraus geht hervor, dass über 80 Prozent aller Fahrgäste im Bahnverkehr barrierefrei reisen können.
Die SBB hat bereits über eine Milliarde Franken investiert, um ihre Bahnhöfe und Züge, die Kundeninformation sowie ihre Dienstleistungen hindernisfrei zu machen. Und doch ist sie nicht am Ziel: 503 von 764 Bahnhöfen waren barrierefrei umgebaut – das sind 19 mehr als Ende 2024.
Ein barrierefreier ÖV kommt nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute, sondern auch älteren Personen oder Reisenden mit Gepäck, Kinderwagen oder Velos.
An Bahnhöfen, wo barrierefreies Reisen noch nicht möglich ist, bietet die SBB Ersatzmassnahmen wie Hilfe durch Personal oder Shuttlefahrdienste an. Die Nachfrage nach diesen Massnahmen ist 2025 gestiegen. Dazu beigetragen hat der Rekord an Reisenden im vergangenen Jahr. Die SBB hat 75 199 Hilfestellungen durch Personal angeboten, das sind 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders in grossen, unübersichtlichen Bahnhöfen wie Bern oder Luzern haben vermehrt auch Reisende ohne Rollstuhl eine Hilfestellung angefragt. Ausserdem hat die SBB für den gesamten ÖV in der Schweiz rund 3027 Shuttle-Fahrten organisiert – davon rund 30 Prozent für SBB Bahnhöfe. Im Vorjahr waren es insgesamt 1600 Shuttlefahrten. Gut ein Viertel der Fahrten wurde im Zusammenhang mit den Totalsperren im Laufental und zwischen Bern und Fribourg erbracht. Fast die Hälfte der Shuttlefahrten erfolgte an einigen wenigen Bahnhöfen.
In den kommenden Jahren wird die SBB rund 230 verbleibende Bahnhöfe barrierefrei umbauen. 30 Bahnhöfe werden aus Gründen der Verhältnismässigkeit erst beim nächsten regulären Umbau angepasst. Für den weiteren Umbau ist die SBB auf ausreichende Mittel in den Leistungsvereinbarungen zwischen SBB und Bund angewiesen.
Die SBB verbessert wo möglich ihre Kundeninformation und ihre Dienstleistungen: Seit 2025 bietet sie beispielsweise «SBB Assist» an. Reisende mit Behinderung können auch dann eine Hilfestellung anfragen, wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Sofern Personal verfügbar ist, unterstützt die SBB beim Umsteigen, beim Überwinden einer Rampe oder bei der Orientierung am Bahnhof. Ein weiteres Beispiel ist die Erweiterung der App SBB Inclusive, in der neu der Liftstatus an den Bahnhöfen integriert ist.
Für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen hat die SBB das aus anderen Ländern bereits bekannte «Sunflower Lanyard» – ein Schlüsselbandanhänger mit Sonnenblumenmotiv – eingeführt. Die Lanyards werden kostenlos und ohne Nachweis einer Behinderung in allen SBB Reisezentren abgegeben. Weitere Information zum Projekt «Hidden Disabilities Sunflower» in der