Glossar
Internationaler Gremiendschungel
Die EU-Rechtsetzung sowie die unterschiedliche Ausrichtung der nationalen Infrastrukturbetreiber hat zur Folge, dass es kein gemeinsames Gremium gibt, in dem die politischen Interessen gebündelt werden. Eine Auswahl wichtiger Gremien für Infrastrukturbetreiber:
CER: The Voice of European Railway
Die CER ist ein Lobbyingverband und vertritt die Interessen ihrer Mitglieder in der EU-Politik, um ein verbessertes Geschäfts- und Regulierungsumfeld für europäische Eisenbahnbetreiber und Eisenbahninfrastrukturunternehmen zu unterstützen. Die CER vereint integrierte Bahnunternehmen, reine Infrastrukturbetreiber, Güter- und Personenverkehrsunternehmen sowie nationale Verbände Europas und weiterer Länder. Die SBB ist als integrierte Bahn CER-Mitglied; die SBB Infrastruktur bringt sich bei politischen Themen u. a. in der CER Infrastructure Interest Group ein.
EIM: European Rail Infrastructure Managers
Ein Lobbyingverband, der die Interessen von gut einem Dutzend Infrastrukturbetreibern vertritt, die mehrheitlich nicht Teil integrierter Bahnen sind. SBB Infrastruktur ist nicht EIM-Mitglied.
HLIM-Meeting: High-Level Infrastructure Meeting
Jährlich stattfindender gemeinsamer Grossanlass von EIM und CER, um die grossen Infrastrukturbetreiber Europas zusammenzuführen. Er wird abwechselnd von einem CER- bzw. einem EIM-Mitglied ausgerichtet. 2018 fand das HLIM auf Einladung von ProRail in Amersfoort (Niederlande) statt. 2019 lud die SBB Infrastruktur nach Bern. 2020 findet das HLIM auf Einladung von Infrabel in Brüssel statt.
PRIME: Platform of Rail Infrastructure Managers in Europe
Die Teilnahme an diesem Netzwerk ist für alle grossen Infrastrukturbetreiber und Trasssenvergabestellen aus den EU-Mitgliedstaaten rechtlich verpflichtend. Infrastrukturbetreiber aus EFTA-Staaten können – wie SBB Infrastruktur, BLS Infrastruktur und Trasse Schweiz – PRIME-Mitglied sein. Die EU Kommission ist – anders als bei CER und EIM – Mitglied und unterstützt die Tätigkeit des Netzwerks. Sie hat damit ein Gremium etabliert, in dem – an den EU-Mitgliedstaaten vorbei – der direkte Austausch mit den Infrastrukturbetreibern gepflegt werden kann.. Themen von PRIME sind u. a. der Austausch zur Anwendung der EU-Rechtsetzung, der Vergleich der Leistungen (Benchmarking) und die Befassung mit grenzüberschreitenden Engpässen.
Fachbegriffe
Smart ERTMS
ERTMS (European Rail Traffic Management System) ist das zurzeit in der Einführung befindliche System für Management und Steuerung des Eisenbahnverkehrs in Europa. Es definiert die Ansprüche an das Zugleitsystem. Dieses besteht aus den Komponenten Zugbeeinflussungssystem ETCS, dem als Kommunikationssystem für Sprache und Daten genutzten Mobilfunksystem GSM-R sowie den verbindlichen betrieblichen Regelwerken des Teilsystems «Verkehrsbetrieb und Verkehrssteuerung» der Spezifikationen für die Interoperabilität.
smartrail 4.0
SBB, BLS, die Schweizerische Südostbahn AG (SOB), die Rhätische Bahn (RhB), Transport publics fribourgeois (tpf) und der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) arbeiten gemeinsam im Branchenprogramm smartrail 4.0, um die Bahn fit für die digitale Zukunft zu machen. Das Programm befasst sich mit der technologischen Entwicklung in den nächsten 20 Jahren und verfolgt damit die Modernisierung im Kern der Bahnproduktion. Es entwickelt neue Systeme für die Bahnbranche mit dem Ziel, die Kapazität, Verfügbarkeit und Sicherheit zu erhöhen sowie die Kosten zu senken. Das Branchenprogramm ist dabei stark abgestimmt und unterstützt die RCA Initiative.
RCA
Innerhalb der EUG (ERTMS Users Group) und EULYNX (Europäische Initiative der Infrastruktur Manager) wurde im August 2018 eine internationale Initiative gestartet: die Mitglieder dieser zwei Organisationen (adif, Banedanmark, Bane NOR, CFL, DB, Infrabel, ProRail, SNCF, Slovenske zeleznice, RFI, SBB, Trafikverket, Väylä) haben ihre Kräfte gebündelt, um unter der RCA (reference CCS architecture) Initiative eine harmonisierte Architektur der künftigen CCS im Eisenbahnbereich anzugehen. Im Februar 2019 wurde das RCA white Paper publiziert zur künftigen Entwicklung der CCS und dem Bedarf, die Anforderungen an dessen Architektur harmonisiert voranzutreiben.
(CCS = Control-command and signalling --> Technische Spezifikation für die Interoperabilität der Teilsysteme „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“.)
Interoperabilität
Die Harmonisierung der technischen und betrieblichen Vorgaben für den Schienenverkehr ist eine Initiative der EU-Institutionen, der sich die Schweiz mit der Annahme des Landverkehrsabkommens angeschlossen hat. Ziel ist die Schaffung eines integrierten europäischen Eisenbahnraums. Erforderlich dafür ist eine verbesserte "Interoperabilität" - oder technische Kompatibilität - der Infrastruktur, des Rollmaterials, der Signaltechnik und anderer Teilsysteme des Eisenbahnsystems sowie weniger komplexe Verfahren für die Genehmigung von Rollmaterial.