Wo sich vor einigen Monaten Menschen Schulter an Schulter in volle Wagons setzten, herrschte plötzlich gähnende Leere. Was waren das für verrückte Tage und Wochen im Frühjahr 2020. Von einem Tag auf den anderen stand ich als Kundenbegleiter plötzlich alleine da. Ich musste die Fahrgäste jeweils regelrecht suchen.
Zugegeben: Zeitweise genossen meine Kolleginnen und Kollegen und ich die leeren Züge auch ein bisschen. Wenn es nach Interlaken ging, hatten wir Zeit, die Schiffe auf dem Thunersee zu zählen. Bei Fahrten nach Chur sahen wir uns die Churfirsten mal genauer an. Und am Genfersee hielten wir Ausschau nach dem Schloss Chillon. Mein stetiger Begleiter war dabei eine digitale Landkarte auf meinem Tablet. So nutzte ich die freie Zeit, um meine Geografie-Kenntnisse etwas aufzufrischen.
Nun beginnen sich die Zeiten zu normalisieren. Restaurants öffnen wieder ihre Tore, Veranstaltungen dürfen wieder stattfinden und der eine oder andere kommt vom Homeoffice zurück ins Büro. Mit mehr Fahrgästen in den Zügen werden natürlich unsere Kontrollgänge künftig wieder mehr Zeit in Anspruch nehmen. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Es tönt jetzt etwas schmeichelhaft, wenn ich sage, dass ich mich auf die Rückkehr der Pendlerinnen und Pendler freue. Aber die Aussage hat einen wirklich ernstgemeinten Kern.




