Die Fläche neben dem Hauptbahnhof Zürich ist riesig. Und sie liegt extrem zentral. Fast ein Jahrhundert wurden Pläne dafür geschmiedet und wieder verworfen. An den Planungen kann man ablesen, wie sich die SBB entwickelte; und mit ihr das Land und seine Gesellschaft. Aus diesem Spannungsfeld heraus lässt sich erklären, warum es rund 50 Jahre dauerte, bis an der Urne endlich eine mehrheitsfähige Lösung obsiegte.
Die Fläche zwischen Sihlpost und Langstrasse diente ab Mitte des 19. Jahrhunderts während 150 Jahren zahlreichen Bahnnutzungen und der Post. Sie war sozusagen verbotene Stadt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Mit der zunehmenden Verstädterung und den Veränderungen im Bahnbetrieb zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden Grundstücke beidseits der Gleise und auch das Gleisfeld selbst für Bebauungen interessant. Damit war der Startschuss gefallen für das Jahrhundert des erfolglosen Pläneschmiedens.
Denn Stadtplanung ist kein einfaches Pflaster: An ihr scheiden sich die politischen Weltbilder und Meinungen über die Stadt der Zukunft. Fehlende Mehrheiten waren denn auch häufigster Grund für das Scheitern fast zahlloser Pläne. Auch die Weltpolitik trug das Ihrige dazu bei – so geschehen 1973, als die Ölkrise den damaligen grossen Ideenwettbewerb der Behördendelegation Regionalverkehr Zürich in der folgenden Rezession versenkte. Eine Neuauflage wurde wiederum Opfer einer nationalen Krise: Das Platzen der Immobilienblase in den 1990ern führte zum definitiven Übungsabbruch, nachdem das damalige Vorhaben über die Jahre mehrfach redimensioniert wurde. Und parallel dazu die politische Zustimmung stetig sank.



