Energiemangellage: Aktuelle Informationen für Medienschaffende

Dieser Beitrag enthält aktuelle Informationen für Medienschaffende zum Thema Energiemangellage und deren Bedeutung für die SBB und wird bei neuen Erkenntnissen aktualisiert.

Lesedauer: 4 Minuten

Vertiefte Informationen finden Sie im Hintergrunddossier Energiemangellage.

Hat die SBB bereits Entscheide zum Energiesparen getroffen?

Aktuell produziert die SBB aufgrund der Trockenheit und der tiefen Pegelstände der Stauseen weniger Energie. Damit die SBB auch in einer Mangellage eigenen Strom erzeugen und damit das Bahnangebot bestmöglich aufrechterhalten kann, hält sie ihre Stauseen derzeit möglichst gefüllt. Dazu muss die SBB Ersatzenergie zu stark steigenden Kosten am Markt beschaffen. Dies hat sich bereits im ersten Halbjahr negativ aufs Ergebnis des Bereichs Infrastruktur Energie ausgewirkt und wird das Jahresergebnis 2022 zusätzlich belasten.

Gleichzeitig hat die SBB Massnahmen zum Gas- und Stromsparen getroffen: SBB spart 15 Prozent ihres Gasverbrauchs ein, indem sie Gebäude weniger heizt und Anlagen von Gas auf Öl umstellt, obwohl dies die CO2-Bilanz verschlechtert. In den Bürogebäuden wird die Beleuchtung, Beheizung reduziert und das Warmwasser abgestellt. Es wird ganz auf die Beleuchtung von Fassaden und Logos verzichtet. Die SBB appelliert an ihre Mitarbeitende, wo immer möglich Energie zu sparen.

Wie lange ist eine Energiemangellage bereits Thema bei der SBB?

Gemeinsam mit dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hat die SBB bereits die Ergebnisse der nationalen Risikoanalyse 2020 zum Anlass genommen, die Auswirkungen einer Strommangellage zu vertiefen und Handlungsbedarfe abzuleiten. Seit Anfang 2021 besteht ein systematischer und direkter Austausch mit den zuständigen Bundesämtern und Institutionen. Im Dezember 2021 beauftragte der Vorstand des VöV die Erarbeitung eines Minimalstandards für Bedarfssenkungen bei Strommangellagen für die gesamte öV-Branche.

Wie bereitet sich die SBB auf eine Energiemangellage vor?

Eine Arbeitsgruppe mit Vertreter: innen aus der ganzen SBB kümmert sich intensiv um dieses Thema. Sie ist eng im Austausch mit jener vom Bund, gibt Aufträge in die Organisation und stellt als Bindeglied die Abstimmung mit dem Bund sicher.

Die Risiken einer Strom- oder Gasmangellage werden intensiv, systematisch und im direkten Austausch mit den zuständigen Bundesämtern und Institutionen bearbeitet. Die SBB wird dabei vom Verband öffentlicher Verkehr begleitet. Aktuell werden gemeinsam mit der Branche (VöV) sowie dem Bundesamt für Verkehr entsprechende Konzepte erarbeitet und auf Machbarkeit geprüft. Ziel ist es, in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und der Branche konkrete Vorbereitungsmassnahmen einzuleiten.

Was wären die Auswirkungen einer Strommangellage auf Kundinnen und Kunden?

Der öffentliche Verkehr ist für die Aufrechterhaltung seiner Leistungsfähigkeit auf eine zuverlässige, sichere Versorgung mit elektrischer Energie angewiesen. Eine Strommangellage hätte Folgen für den Betrieb des hochtechnisierten Systems. Damit die Züge der SBB fahren können, benötigt es zwei verschiedene «Arten» von Strom: Bahnstrom in der Fahrleitung (16.7 Hz Strom) und Haushaltsstrom für die Bahntechnik (50 Hz Strom). Wegen der hoher Energieeffizienz gibt es nur geringes Sparpotential. Weitere Sparanstrengungen werden sehr schnell für die Kunden spürbar. Bei einer verordneten Begrenzung des Stroms durch den Bund müsste das Bahnangebot stark reduziert werden. Bei Netzabschaltungen, die die SBB betreffen, müsste der Bahnbetrieb eingestellt werden.

Ist die SBB Systemführerin?

Ja, da Bundesamt für Verkehr hat im Hinblick auf einen allfälligen Energiemangel vorsorglich SBB und Postauto als Systemführer für den öffentlichen Verkehr eingesetzt. SBB für die Schiene, Postauto für den öffentlichen Verkehr auf der Strasse. Sie sollen gegenüber den Transportunternehmen die in der Branche erarbeiteten Energiesparmassnahmen kommunizieren und sicherstellen, dass eine allfällige Ausnahmesituation in branchenweiter Koordination bewältigt würde.

Wird die Temperatur in den Zügen diesen Winter gesenkt werden?

Die SBB prüft als Systemführerin Schiene im Rahmen der bestehenden technisch-betrieblichen Möglichkeiten sowie unter Berücksichtigung der Verkehrs-, Betriebs-, und Arbeitssicherheit, wie die Branchenempfehlung zur Reduktion der Heizung des Fahrgastraums umgesetzt werden kann.

Energiestrategie der SBB

Die Bahn gilt als eines der nachhaltigsten und energieeffizienten Verkehrsmittel. Dem Thema Energieeffizienz kommt im Rahmen der Energiestrategie der SBB eine Schlüsselrolle zu. Seit zehn Jahren wird die Energieeffizienz systematisch und erfolgreich vorangetrieben. Im letzten Herbst hat sich die SBB im Rahmen «Vorbild Energie und Klima» öffentlich dazu bekannt, die Energieeffizienz weiter zu erhöhen und die Verwendung von erneuerbaren Energien zu fördern.

Seit 2010 spart die SBB in einem umfassenden Energiesparprogramm mit verschiedenen Massnahmen Energie, insgesamt werden bis Ende 2021 500 GWh/a eingespart – das entspricht dem Strombedarf von rund 120 000 Haushalten.

Bis 2030 werden zusätzlich jährlich 350 GWh eingespart – insgesamt also 850 Gigawattstunden gegenüber 2010, dies entspricht ungefähr 30 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs oder dem jährlichen Stromverbrauch von 200 000 Haushalten. Damit die SBB dieses ambitionierte Ziel erreicht, setzt sie energiesparende Massnahmen in vielen Bereichen um – beispielsweise bei der Beschaffung von energieeffizienten Triebzügen, beim Wechsel auf erneuerbare Gebäudeheizungen bis 2030 oder bei einer energieeffizienten Bahnproduktion.

Siehe auch Nachhaltige Energie | SBB