Talent Factory: Der IT-Nachwuchs entwickelt die Tools von morgen

Seit Juli setzt die SBB bei Vorstellungsgesprächen auf ein neues Interviewtool. Entwickelt haben es Lernende, Praktikanten und Studierende von SBB IT. Eine Begegnung mit der bunten Truppe in der Talentschmiede im Bollwerk Bern.

Generationenwechsel, buchstäblich. Ein paar Drehregale erinnern noch an das Archiv von SBB Historic. Wo früher Bücher, Fotos und historische Plakate lagerten, arbeitet nun die nächste Generation von IT-Profis. Junge Frauen und Männer sitzen konzentriert vor ihren Bildschirmen, vertieft in bunte Zeilen von Programmcode. Es ist still.

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Hier ist auch der Arbeitsplatz von Claudio, Alayne, Yves und Sven. Vier Menschen, vier Geschichten, ein gemeinsames Projekt: das neue Interviewtool von HR (mehr dazu in der Box). Claudio Zesiger betreut seit mehreren Jahren die IT-Profis in spe. Die Auszubildenden Yves, Sven und Alayne haben unterschiedliche Hintergründe. Yves Bongni ist gelernter Metallbauer und nun im 4. Lehrjahr seiner Zweitausbildung. Sven Jaun hat den Abschluss frisch in der Tasche und bildet sich jetzt an der höheren Fachschule weiter. Alayne Hiltmann studiert an der Berner Fachhochschule Informatik und verbringt je die Hälfte ihrer Zeit bei der SBB und in der Hochschule.

Verschieden und gemeinsam stark

Begonnen hat alles im März 2020. Claudio und Sven waren von Anfang an dabei. «Insgesamt haben zehn Auszubildende am Projekt gearbeitet», sagt Claudio. Doch wie wirkt es sich aus, wenn zehn verschiedene Auszubildende mit unterschiedlichem Ausbildungsstand zusammen ein Programm entwickeln? «Die Rotation und die verschiedenen Charaktere bringen eine gesunde Dynamik», meint Claudio. Yves, Sven und Alayne bestätigen: Die Mischung macht’s. «Wir ergänzen uns sehr gut» sagt Yves. Kreativität sei nicht so sein Ding, ihn interessiere mehr die Logik hinter einem Tool. Dafür mag Alayne kreative Arbeiten: «Gestaltung und Design haben mich schon immer fasziniert. Deshalb habe ich vor allem daran gearbeitet, wie das Tool für die Nutzer aussieht.» Und Sven? «Ein echter Alleskönner», bescheinigt Yves.

Hohe Verantwortung, von Anfang an

Doch unterschiedliche Arbeits- und Ausbildungstage machen die Organisation nicht ganz einfach; nur selten arbeiten alle gleichzeitig. Der Schlüssel: viel Eigenverantwortung, wenig Meetings. «Wir organisieren unsere Aufgaben über das Tool Jira. Dabei gilt: eine Person arbeitet an einer Aufgabe», erklärt Claudio. Sitzungen hat das Team aufs Nötigste reduziert: 15 Minuten täglich reichen. «Ich habe an zwei Tagen pro Woche Schule. An den verbleibenden drei Tagen möchte ich produzieren und nicht in Sitzungen blockiert sein», sagt Yves und Claudio fügt an: «Sie arbeiten sehr selbstständig. Es ist auch nicht nötig, dass immer alle alles wissen.»

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Win-win für alle

Am täglichen Austausch ist meistens auch der Kunde dabei: Benjamin Schaffner vertritt in diesem Projekt die Kundensicht. Er arbeitet beim HR der SBB, genauer gesagt im Rekrutierungs-Team und nutzt selbst das Tool für seine Arbeit. «Die Auszubildenden arbeiten super und die Zusammenarbeit macht riesig Spass.» Für beide Seiten hat die Kooperation Vorteile: Die Auszubildenden entwickeln ein konkretes Produkt, das effektiv eingesetzt wird. Und für HR ist es günstiger als ein Auftrag bei einer externen Firma. «Auch wenn es etwas länger dauert, ist es eine tolle Sache», meint Benjamin. Die längere Dauer ist aber nicht mangelnder Kompetenz geschuldet, sondern der Tatsache, dass Auszubildende nicht an fünf Tagen arbeiten. «Wir haben sehr gute IT-Auszubildende, die es teils mit gestandenen Entwicklern aufnehmen können», stellt Claudio klar.

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High Five geben statt auf die Finger klopfen

Alayne, Yves und Sven schätzen die Begegnung auf Augenhöhe im Projektteam. «Die Wege sind kurz und wir werden ernst genommen», sagt Sven. «Wenn Benjamin eine neue Funktion als «genial» bezeichnet, macht das Spass. Ich arbeite lieber mit Leuten, die mir ein High Five geben statt auf die Finger zu klopfen.» Und Alayne fügt hinzu: «In so einer Atmosphäre verliert niemand die Motivation, wenn etwas einmal nicht wie geplant klappt.» Ist das nicht bei allen Projekten so? Kopfschütteln im Raum. «Leider nein. Manche Auftraggeber wollen nicht akzeptieren, wenn etwas unmöglich ist. Sie müssen es erst vom Chef hören», sagt Yves. IT sei eben keine Magie, die alles kann. Deshalb plädieren Alayne, Sven und Yves für Empathie und gegenseitiges Verständnis in der Zusammenarbeit – das Erfolgsrezept für dieses Projekt.

Vergleichbare Vorstellungsgespräche dank Interviewtool

Das Interviewtool unterstützt HR-Fachleute und Führungskräfte bei der Vorbereitung und Durchführung von Vorstellungsgesprächen. Pro Stellenausschreibung werden im Interviewtool Fragen an die Kandidatinnen und Kandidaten definiert. Im anschliessenden persönlichen Gespräch erhaltenalle Kandidatinnen und Kandidaten einer Stelle die gleichen Fragen, um die objektive Vergleichbarkeit sicherzustellen. Ihre Antworten notiert die HR-Fachkraft ebenfalls direkt im Tool. Die Zettelwirtschaft entfällt und die Resultate werden für die Dauer des Verfahrens digitalisiert aufbewahrt.