Zürich: Eine Boxengasse für Züge und eine Reparaturhalle aus Holz

Zwischen 200 000 und 400 000 Kilometer rollen die Zugräder im Durchschnitt, bevor die SBB ihnen ein neues Profil gibt. Im Zürcher Vorbahnhof hat sie dafür jüngst eine Instandhaltungshalle in Betrieb genommen – zeitgleich mit einer weiteren Reparaturhalle ganz aus Holz.

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Mitten im Gleisfeld des Vorbahnhofes Zürich, unmittelbar bei der Duttweilerbrücke in Zürich-Aussersihl, arbeiten die SBB Instandhaltungs- und Reinigungsspezialisten in zwei neu erstellten Hallen: Im Radsatzbearbeitungszentrum (RBZ) erhalten die Radsätze von Personenverkehr-Zügen eine neue Profilierung, damit sie betrieblich wieder einwandfrei und ruhig rollen. Zentrales Instrument dafür ist die 45 Tonnen schwere sogenannte «Unterflurdrehbank», die im Jahr 2021 angeliefert und eingebaut wurde: Auf ihr bearbeiten und reprofilieren die Spezialisten die verschiedenen Radsätze. «Mit der neuen Anlage können wir täglich bis 20 Radsätze bearbeiten, ohne sie vorgängig ausbauen zu müssen», sagt Projektleiter Walter Bucheli. Möglich ist dies für sämtliche Fahrzeuge des Personenverkehrs mit einer Länge bis zu 202 Metern.

Beim Waschen die Räder messen

Für die Sicherheit und den Fahrkomfort der Reisenden ist die professionelle Wartung der Radsätze wichtig. Allein an den Zügen des Personenverkehrs sind rund 18 000 Radsätze eingebaut. Im Durchschnitt rollen diese je nach Fahrzeugtyp, Strecke und Betriebsbedingungen zwischen 200 000 und 400 000 Kilometer, bevor sie neu profiliert werden. Dabei wird die Oberfläche des Rades soweit «abgedreht», dass sog. Flachstellen beseitigt und ein sanftes Abrollen gewährleistet werden kann. Ein Radsatz kann etwa drei bis fünf Mal abgedreht werden, bevor er gegen einen neuen getauscht werden muss. Um den Prozess der Radsatzbearbeitung möglichst genau zu planen, setzt die SBB u.a. sog. Überfahrmessanlagen ein: Bei der Aussenwäsche der Züge werden regelmässig auch deren Radsätze vermessen, sprich deren Abnutzung auf zwei Zehntelmillimeter genau geprüft. Diese und weitere Daten sind dann die Grundlage für die Digitalisierung der Radsatzbearbeitung, welche seit Fahrplanwechsel bei Fahrzeugen der Zürcher S-Bahn angewendet wird.

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Ein Novum aus Holz

Unmittelbar gegenüber dem RBZ ging fast gleichzeitig eine weitere Halle in Betrieb. Die 130 Meter lange und vollständig aus vorfabrizierten Holz-Fertigbauelementen gefertigte Anlage ist ein Novum bei der SBB und wurde innert lediglich sechs Wochen erstellt. Seit vergangenem Fahrplanwechsel werden in der Halle kleinere Reparaturen an Kompositionen der Zürcher S-Bahn ausgeführt, aber auch ganze Zug-Komponenten wie Pantografen, Kupplungen oder Batterien getauscht. Die Halle ist mit einem Portalkran ausgerüstet, verfügt über Gruben für Reparaturarbeiten unter den Fahrzeugen sowie Dacharbeitsbühnen für Eingriffe auf dem Fahrzeugdach.

Die SBB vergrössert ihre Instandhaltungskapazitäten

Die Instandhaltung der Personenverkehr-Züge ist ein zentraler SBB Geschäftsbereich. Der Personenverkehr hält an insgesamt 20 Instandhaltungsanlagen ihre eigene Flotte sowie teilweise diejenigen von SBB Infrastruktur und SBB Cargo instand. Dabei wird unterschieden zwischen betriebsnaher Instandhaltung in Serviceanlagen (Aufenthalt der Züge ca. einmal pro Woche während ca. 3 bis 6 Stunden) und ausserbetrieblicher / schwerer Instandhaltung (Revisionen, umfassende Reparaturen, Modernisierungen, Aufenthalt der Züge/Wagen 3 bis zu 60 Tage). In der Instandhaltung der SBB sind rund 4000 Mitarbeitende tätig. Die SBB baut die Instandhaltungskapazitäten laufend weiter aus, um mit dem Angebots- und Flottenwachstum Schritt halten zu können.