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Lokomotive Re 460: Langläufer leben länger

Entzückt und entrückt: So fühlten sich vor 25 Jahren die Eisenbahner bei der Premiere der Lokomotive Re 460 im Planbetrieb. Heute macht sich das einstige Paradepferd der Bahn 2000 bereit für ein zweites Vierteljahrhundert.

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«Ah, il loc Pininfarina!», zitierte die SBB-Zeitung im April 1993 den entzückten Bahnhofvorstand von Domodossola beim Anblick einer neu glänzenden Re 460, damals auch «Lokomotive 2000» genannt. Der Lokführer Ernst Blaser hingegen fühlte sich an seinem neuen Arbeitsplatz eher entrückt. Ihm fehlte das gewohnte Fenster zum Öffnen im Führerstand. Übrig blieb eine kleine Luke mit einer Art Kühlschranktür. «Der Kontakt mit den Leuten draussen geht verloren», bedauerte er.

 

Erste und Letzte ihrer Art

Vor allem aber war die «Lok 2000» im noch heute präsentablen Kleid der italienischen Designschmiede Pininfarina technisch auf der Höhe der Zeit. Als erste Serien-Umrichterlokomotive der SBB war sie die schnellste (230 km/h) und gegenüber ihren vierachsigen Vorläufern auch die stärkste (6100 Kilowatt) Maschine. Sie war als erste aerodynamisch optimiert und arbeitete mit damals neuster GTO-Umrichtertechnik. In zwei Belangen ist die Re 460 aber auch die letzte ihrer Art: die letzte «Universallokomotive» und die letzte Eigenentwicklung der schweizerischen Lokomotivindustrie. Sie geht zurück auf einen Studienauftrag der SBB an BBC und SLM von 1987, dem Jahr der Volksabstimmung über die Bahn 2000. Das Konzept für die Zukunft der Bahn löste die Neuentwicklung denn auch aus.

 

Schwerarbeiterin

Die 119 Re 460 leisten Schwerarbeit. In 25 Jahren haben viele von ihnen weit mehr als fünf Millionen Kilometer zurückgelegt. Doch nun übernehmen immer mehr Triebzüge  die Dienste von Lok- und Wagen-Kompositionen; neuste sind der «FV-Dosto» von Bombardier und der Giruno von Stadler. Trotzdem ist die Re 460 aus dem Schweizer Schienennetz noch lange nicht wegzudenken. Mit einem Modernisierungsprogramm winkt der Flotte ein zweites Vierteljahrhundert: Das SBB Werk Yverdon erneuert ihre Technik, tauscht den Stromrichter aus und erzielt so einen namhaften Energiespareffekt. 16 Lokomotiven sind bereits modernisiert, nächster Schritt ist die definitive Betriebsbewilligung. Der SBB Personenverkehr rechnet damit, dass sie bis in die erste Hälfte der 2040-er Jahre in wenig verminderter Zahl im Fernverkehrsnetz weiter rollen. Also ganz nach einem sportlichen Werbeslogan: «Langläufer leben länger.»

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