Mit dem Velo im Zug reisen: die wichtigsten Fragen und Antworten

Um dem Veloboom zu begegnen, hat die SBB 40 Prozent mehr Veloplätze geschaffen. Doch an Spitzentagen kann es trotzdem zum Velostau im ÖV kommen – ähnlich wie am Gotthard vor Feiertagen. Warum die Reservation nützt, wo sie nötig ist und wie sie zu tätigen ist – alles Wichtige im Überblick.

Update vom 6. September 2021, 9.00 Uhr: SBB nimmt Petition der Veloverbände entgegen

Über 50 000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, welche mehr Platz für Velos in den Zügen und die Abschaffung der Reservationspflicht verlangt. Was sagt die SBB dazu?

Die Anliegen der Reisenden, die ihr Velo unkompliziert mit in den Zug nehmen wollen, sind der SBB sehr wichtig. Im Pandemiejahr 2020 gab es einen noch nie dagewesenen Boom. Das ist sehr erfreulich, aber an Spitzentagen hatte es nicht immer für alle Velos Platz. Die SBB musste einige Kundinnen und Kunden enttäuschen.

Für 2021 hat die SBB das Angebot an Veloplätzen ausgebaut und innert kurzer Zeit 4000 reservierbare Plätze geschaffen. Auf den beliebtesten Strecken stehen somit bis zu dreimal mehr Plätze zur Verfügung. Weil das insgesamt an Spitzentagen noch nicht reicht, musste die Reservationspflicht ausdehnt werden. Denn: der weitere Ausbau von Velokapazitäten braucht Zeit. Die Reservationspflicht in der warmen Jahreszeit am Wochenende schafft Verlässlichkeit. Das ist vielen Reisenden wichtig. An Spitzentagen müssten sonst wieder viele Kundinnen und Kunden enttäuscht werden.

Was macht die SBB konkret mit den Forderungen der Veloverbände?

Die SBB ist bestrebt, noch mehr Platz für Velos in den Zügen zu schaffen. Dabei dürfen die anderen Reisenden nicht vergessen gehen, die ebenfalls zusätzlichen Platz in den Zügen benötigen - etwa für Kinderwagen oder grosse Gepäckstücke, die sich nicht unter den Sitzen verstauen lassen. Der Platz ist jedoch insgesamt beschränkt. Und die Züge müssen nicht nur im Freizeitverkehr funktionieren, sondern auch unter der Woche als Pendlerzüge. Solange die Nachfrage nach Veloplätzen am Wochenende das Angebot übersteigt, ist die Reservationspflicht auf IC-Zügen nötig.

Warum kann die SBB nicht einfach mehr Kapazitäten schaffen, indem sie beispielsweise an Spitzentagen einen oder mehrere Wagen anhängt?

Die SBB kann nicht unlimitiert weitere Wagen anhängen. Die Maximallänge eines Zuges wird unter anderem durch die Perronlänge in den Bahnhöfen bestimmt. Güterwagen beispielsweise sind zu langsam und können nur selten in Pendelzügen eingesetzt werden und an Triebzüge lassen sie sich nicht ankuppeln (FV-Dosto, Giruno, ICN). Auch die teilweise kurzen Aufenthaltszeiten an Bahnhöfen würden nicht ausreichen, um in einem Güterwagen viele Velos ein- und auszuladen.

Wieso muss ich einen Platz für mein Velo reservieren?

Die Veloreservationspflicht hilft, den grossen Andrang zu bewältigen. So können insbesondere am Wochenende die Velos gleichmässig auf verschiedene Züge sowie auf die Veloplätze im Zug verteilt werden. Ausserdem trägt die Reservationspflicht zur Sicherheit bei, indem Fluchtwege freigehalten werden.

Nimmt die SBB die Bedürfnisse der Velofahrenden nicht ernst genug?

Die SBB nimmt die Bedürfnisse all ihrer Kundinnen und Kunden sehr ernst. Dazu zählen neben Velofahrenden auch Pendlerinnen, Familien oder Rentner. Diese verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, ist eine grosse Herausforderung.

Auf welchen Strecken muss ich einen Platz für mein Velo reservieren?

  • Strecken am Jurasüdfuss: täglich.
  • Strecken durch den Gotthard Basistunnel: täglich.
  • In allen Intercity-Zügen sprich auf den fünf Linien IC1, IC3, IC6/61 und IC 8 jeweils von Freitag bis Sonntag im Zeitraum März bis Oktober.
  • Im Regionalverkehr (R, S, RE-Züge) sowie in den Interregio-Zügen (IR) können Velos ohne Reservation transportiert werden.
  • internationale Züge: täglich.

Übrigens: Die Reservationspflicht für Velos ist nicht neu. Am Jurasüdfuss, in internationalen Zügen und auch bei Reisen durch den Gotthard Basistunnel gilt seit mehreren Jahren eine Reservationspflicht für Velos. Neu kostet eine Velo-Reservation noch 2 anstatt 5 Franken.

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Für welche Velos muss ich einen Platz reservieren?

Zusammengeklappte Faltvelos gelten als Handgepäck und benötigen weder einen Fahrausweis noch eine Reservation. Die Webseite Velotransport im Zug gibt eine Übersicht über sämtliche zahlungspflichtigen und nicht-zahlungspflichtigen Ein-, Zwei-, Drei- und Vierräder.

Welche Alternativen bestehen zum Veloselbstverlad?

Dank dem Veloversand kann das Zweirad auch als Gepäckstück aufgegeben und am Zielort abgeholt werden. Und wer sein eigenes Velo nicht auf die Reise mitnehmen möchte, kann mit «Rent a bike» ein Velo mieten. Mehr Informationen zu diesem Angebot finden sich auf der Webseite Reisen mit Velos.

So kommen Reisende zur Reservation und zu ihrem Veloplatz

  1. Für eine entspannte Reise lohnt es sich, die Auslastungsprognose des jeweiligen Zuges zu beachten und allenfalls auf einen anderen Zug auszuweichen.
  2. Vor dem Kauf des Velobilletts erst überprüfen, ob noch Reservationen und damit Plätze verfügbar sind.
  3. Eine Reservation kann bis kurz vor Abfahrt über die SBB Mobile App oder am Schalter getätigt werden. Eine telefonische Reservation unter 0848 44 66 88 ist bis fünf Werktage vor der Reise möglich. Nicht möglich ist eine Buchung am Automaten. Aufgepasst bei internationalen Zügen: Bei manchen EC ist die Reservation nur am Schalter oder per Telefon möglich.
  4. Bei vielen Zügen (z.B. nach Chur und Brig) können bis zu fünf Plätze gleichzeitig reserviert werden. Man kann in der App versuchsweise fünf Plätze anfragen, um zu prüfen, ob noch mehrere Plätze verfügbar sind.
  5. Die Reservation zeigt, in welchem Wagen sich der Platz befindet. Vorgängig in der Formationsanzeige des Zuges im Online-Fahrplan oder direkt auf dem Perron schauen, in welchem Sektor der Wagen hält. Beim Einstieg Velo-Piktogramme an der Wagentür beachten.
  6. Velos an den Velohaken hängen oder in die entsprechende Vorrichtung stellen und Satteltaschen entfernen. Ist der reservierte Platz besetzt, hilft das Zugpersonal.
  7. Verständnis und gegenseitige Rücksichtsnahme machen die Fahrt für alle Reisenden angenehmer.

Mehr Infos auf Hilfe zu Reservation und Transport von Velos in der Schweiz.

Weshalb baut die SBB ihre Züge nicht um oder hängt an Spitzentagen mehr Wagen an?

Die SBB prüft, die Kapazitäten weiter auszubauen. Es ist nicht möglich, kurzfristig bei grosser Nachfrage einzelne Sitze aus den Zügen rauszunehmen. Diese werden für andere Reisende als Sitzmöglichkeit gebraucht und die SBB berücksichtigt stets die Interessen aller Kundinnen und Kunden. Die SBB kann auch nicht unlimitiert weitere Wagen anhängen, denn die Maximallänge eines Zuges wird durch die Perronlänge in den Bahnhöfen bestimmt.

Immerhin bieten manche Züge heute mehr Plätze als früher: So verfügen der neue IC2000 mit neun bis siebzehn Veloplätzen oder der FV-Dosto mit bis zu 24 Veloplätzen mehr Raum für Velos als etwa der ICN mit sechs bis zwölf Veloplätzen.

Wie kann es passieren, dass es meinen Veloplatz trotz Reservation schlussendlich gar nicht gibt?

Wenn ein Zug kurzfristig, beispielsweise wegen einer technischen Störung ersetzt oder gekürzt werden muss, stimmen die im Reservationssystem hinterlegten Veloplätze nicht immer mit der tatsächlich vorhandenen Anzahl Veloplätzen überein. In solchen Fällen versucht das Zugpersonal, die Velos möglichst gut auf den ganzen Zug zu verteilen.

Dabei wichtig: Aus Sicherheitsgründen kann es auch bei Zügen ohne Reservationspflicht zu Spitzenzeiten vorkommen, dass Velos teilweise zurückgewiesen werden und Reisende auf alternative Verbindungen ausweichen müssen, wenn im Zug alle Veloplätze belegt sind.

Warum kann ich nicht immer im gleichen Wagen fahren wie mein Velo?

Veloplätze sind über den ganzen Zug verteilt, das heisst in der ersten und zweiten Klasse. Bei der Reservation kann die Klasse nicht gewählt werden. Reserviert eine Gruppe mehrere Veloplätze, werden die Velos ebenfalls über mehrere Wagen verteilt und sind eventuell nicht alle beisammen.