Andreas Passannantes Gespür für knifflige Aufgaben

Andreas Passannante steckt viel Herzblut in seine Arbeit als «Train Doctor»: Er ist Instandhaltungstechniker in der SBB Serviceanlage Herdern. Es erfüllt ihn mit Stolz, wenn er defekte Züge wieder flott machen kann.

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«Love my job» hat Andreas Passannante unter eines seiner Fotos auf Instagram geschrieben. Wer sich mit ihm über seinen Beruf unterhält, merkt rasch: Das ist keine Floskel. Der 37-Jährige arbeitet als Instandhaltungstechniker in der Serviceanlage Herdern, wo Züge gewartet und instand gestellt werden. Als er vor 18 Jahren, gleich nach seiner Lehre als Automatiker, bei der SBB anheuerte, hiess dieser Beruf noch Handwerksmeister. Die Bezeichnung ,Handwerk’ mag Andreas Passannante allerdings nicht so gern. «Sie tönt altertümlich und entspricht nicht mehr der heutigen Arbeitsrealität in der modernen Instandhaltung», sagt er.

Es braucht Köpfchen

Die Serviceanlage Herdern ist mit 420 Metern die längste Instandhaltungshalle der SBB. Sie ist eine Art Boxengasse für die Züge. Natürlich fallen da auch einfachere Aufgaben an. So müssen beispielsweise Stromabnehmer kontrolliert, Türen geschmiert, WC-Tanks entleert oder Bremsbeläge gewechselt werden. «Für andere Arbeiten ist aber viel analytisches Denken gefragt», führt Andreas Passannante aus. Um die Ursache einer komplexen Störung zu finden, braucht es Köpfchen – und zuweilen Beharrlichkeit. «Manchmal hat man den Fehler in fünf Minuten gefunden, manchmal dauert es mehrere Stunden.»

Verantwortungsvolle Aufgabe

Andreas Passannante hat während seiner Jahre als Instandhaltungstechniker ein enormes Fachwissen aufgebaut und Erfahrungen gesammelt. Episoden aus seinem Berufsalltag teilt er gerne auf Instagram, wo er sich als «Train Doctor» bezeichnet. «Ich mache das nicht aus Geltungsdrang, sondern weil ich meiner Freude am Beruf Ausdruck geben will.»Findet er die Ursache einer Störung, behebt er diese und übergibt das Fahrzeug wieder in einwandfreiem Zustand dem Betrieb, so macht ihn das zufrieden und stolz: «Meine Arbeit hat einen hohen Stellenwert. Mit meinen Berufskollegen trage ich an vorderster Front zum Erfolg der SBB bei.» Ebenso mag er die grosse Verantwortung, die er in seiner Funktion als Instandhaltungstechniker übernimmt. Es geht schliesslich um nichts weniger als die Sicherheit der Passagiere.

Quelle: SBB

Er bewegt die Züge auch

Dem 37-Jährigen macht es Spass, an so schweren, teuren und technisch komplexen Maschinen zu arbeiten, wie Züge es sind. Technisches Verständnis ist wichtig für den Beruf in einer Serviceanlage. Andreas Passannante hat einen ganzen Rucksack voll davon. Und noch mehr: Er ist einer der wenigen Instandhaltungstechniker mit Lokführerprüfung A40. Diese Kategorie berechtigt zum Rangieren und Durchführen von Testfahrten auf dem Testgleis. Unter anderem deshalb beschreibt Passannante seinen Alltag als «sehr vielfältig und abwechslungsreich». Lokführer war übrigens Andreas Passannantes ursprünglicher Traumberuf und die Automatiker-Lehre der erste Schritt dazu. Die Aussicht, tagein, tagaus alleine in der Lok zu sitzen, behagte ihm im Alter von Anfang 20 aber dann doch nicht, ebenso wenig wie die von Tag zu Tag unterschiedlichen Arbeitszeiten.

«Ich schraube einfach zu gerne an den Fahrzeugen herum.»
Andreas Passannante

Die angenehmen Seiten der Schichtarbeit

In der Serviceanlage Herdern wird auch Schicht gearbeitet. Tagsüber rollen die Züge des Regionalverkehrs oder der S-Bahn in die Halle, denn diese müssen während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend für den Betrieb verfügbar sein. Nachts sind die Züge des Fernverkehrs an der Reihe. Im Gegensatz zu den Schichten bei der Zugführung seien jene in der Instandhaltung wenigstens immer gleich, sagt Andreas Passannante. Und: «Es stört mich nicht, manchmal in der Nacht oder auch am Wochenende zu arbeiten.» So könne er an den freien Tagen unter der Woche entspannt Dinge erledigen wie etwa einkaufen oder auch seinem Hobby frönen, dem Fischen: «An Wochentagen tummeln sich viel weniger Leute auf dem Wasser.»

Blick hinter die Kulissen

Im Rahmen der Festivitäten zum Jubiläum 175 Jahre Schweizer Bahnen öffnen das SBB Werk Olten und die Serviceanlage Zürich Herdern am Wochenende vom 21./22. Mai ihre Türen. An beiden Orten erwarten die Besucherinnen und Besucher ein spannender Blick hinter die Kulissen und viele Informationen zu den SBB Berufswelten.

Für die Anreise profitieren Besucherinnen und Besucher von der günstigen Jubiläumstageskarte. Sie kostet für die 2. Klasse lediglich 17.50 Franken (mit Halbtax).

Im Büro arbeiten? Lieber nicht!

Trotz der grossen Freude am Beruf: Ob Andreas Passannante in der aktuellen Funktion bleiben wird, steht noch in den Sternen. Seine Vorgesetzten versuchen, ihn für eine Weiterbildung an einer Fachhochschule zu motivieren. Sie würde einen beruflichen Aufstieg nach sich ziehen. Passannante findet eine solche Chance zwar reizvoll, hat aber dennoch Bedenken. Er befürchtet, dass er dann vor allem im Büro über Konzepten und Anleitungen sitzen würde. Die Arbeit in der Halle bei den Zügen würde er vermissen. «Ich schraube einfach zu gerne an den Fahrzeugen herum.»

Fünf Vorurteile – und die Argumente dagegen

Für die SBB ist es – wie für viele andere Unternehmen – eine Herausforderung, im Bereich Handwerk genügend Fachkräfte zu finden. Diese Berufsgattung ist mit vielen Vorurteilen behaftet. «Völlig zu Unrecht!», sagt Jessica Burri mit Nachdruck. Sie ist beim HR der SBB verantwortlich für die Rekrutierung von Fachleuten im Bereich Handwerk und entkräftet hier die gängigsten Vorurteile.

Vorurteil 1: Bei der SBB hat man es mit schweren Zügen zu tun. Die Arbeit ist darum körperlich sehr anstrengend.

Nein, aber etwas Muskeln braucht’s schon. Für den Fall, dass schwere Lasten bewegt werden müssen, gibt es entsprechende Hilfsmittel. Auch ist die gegenseitige Unterstützung im Team selbstverständlich.

Vorurteil 2: Die SBB ist ein riesiger Betrieb. Da sind die einzelnen Mitarbeitenden doch nur unwichtige Elemente.

Das stimmt nicht – ganz im Gegenteil! Gerade die Mitarbeitenden in den handwerklichen Berufen tragen entscheidend dazu bei, dass die Züge zuverlässig durch die Schweiz fahren. Jeder und jede hat eine wichtige Rolle! Das wissen die Mitarbeitenden, darum ist in den Teams der Berufsstolz hoch.

Vorurteil 3: Handwerkerinnen und Handwerker sind schlecht bezahlt.

Auch das stimmt nicht. Die SBB zahlt faire Löhne und die Anstellungsbedingungen sind sehr attraktiv. Die Mitarbeitenden können beispielsweise das Generalabonnement kostenlos beziehen. Es ist zwar ein Lohnbestandteil, aber viele sehen es trotzdem als «Goodie».

Vorurteil 4: Schichtarbeit hat nur Nachteile.

Das ist falsch. Zum einen gibt es bei Schichtarbeit – die in zahlreichen handwerklichen Berufen bei der SBB halt einfach dazu gehört – sowohl einen Lohn- als auch einen Zeitzuschlag. Damit haben Mitarbeitende mit Schichtarbeit mehr im Portemonnaie und auch mehr Freizeit. Zum anderen gewinnen sie eine gewisse Flexibilität im Alltag.

Vorurteil 5: Laien können sich keine genaue Vorstellung machen über die Berufe bei der SBB. Da kauft man die Katze im Sack.

Oh nein! Ein Bewerber, eine Bewerberin, kann nach dem ersten Gespräch in der Regel einen Schnuppertag machen, damit er oder sie sich vor Ort ein Bild machen kann. Auch die Tage der Offenen Tür im Rahmen des 175-Jahr-Jubiläum der Schweizer Bahnen sind eine Gelegenheit, hinter die Kulissen des Zugverkehrs zu blicken.