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Domenica Griesser fährt jetzt in einem sprechenden Zug

Als sehbehinderter Mensch in den falschen Zug einsteigen – ein Albtraum. Damit dies nicht passiert, entwickelt die SBB die App «SBB Inclusive». Die blinde Domenica Griesser testet sie. Wer interessiert ist, kann die App während der Schwerpunktwoche Mobilität der Zukunft ebenfalls ausprobieren.

Domenica Griesser prüft mit der App, ob sie im richtigen Zug sitzt.
Domenica Griesser prüft mit der App, ob sie im richtigen Zug sitzt.

Domenica Griessers Arbeitsweg ist lang: Sie wohnt in St. Gallen und arbeitet in Olten. Und er ist anspruchsvoll – anspruchsvoller jedenfalls als für die meisten Menschen. Die 59-Jährige ist seit ihrer Jugend blind. An diesem Mittwoch hat sie die Heimfahrt mit dem IC 5 um 16.59 Uhr ab Olten geplant. Mit ihrem Blindenführhund Qiu läuft sie in Olten zielsicher zum richtigen Perron. Den Plan des Bahnhofs hat sie im Kopf. Der Zug kommt und Domenica Griesser steigt ein. Gleich zückt sie das Handy und wischt so oft übers Display, bis sich die neue App «SBB Inclusive» dank der aktivierten Voice-over-Funktion des iPhones akkustisch meldet: «Willkommen im IC 5 nach St. Gallen. Sie befinden sich in Wagen 14 in der 1. Klasse. Nächster Halt: Zürich Hauptbahnhof um 17.30 Uhr.» Domenica Griesser lächelt entspannt: Alles in Ordnung, sie sitzt im richtigen Zug.

Die App «SBB Inclusive» zeigt an, welche Verbindungen ab den Bahnhöfen auf der Strecke verfügbar sind.

«SBB Inclusive» haben Domenica Griesser sowie einige weitere Menschen mit Sehbehinderung erst als Testversion erhalten. Sie befindet sich noch in der Entwicklung, ist nur auf Deutsch und fürs iPhone verfügbar. Im Testbetrieb funktioniert die App ausschliesslich in ICN-Zügen.

Verantwortlich für das neue Produkt ist Esther Buchmüller von der Geschäftsentwicklung Bahnproduktion. Die Idee hinter der App ist es, Menschen mit Einschränkungen eine Art «Kundeninformation in der Hosentasche» zur Verfügung zu stellen. «Wer hört UND sieht, erhält alle für seine Reise relevanten Informationen», sagt Esther Buchmüller. Falle aber einer der Sinne aus, ist das Risiko grösser, etwas zu übersehen oder -hören. Diese Lücke schliesst «SBB Inclusive».

Auf dem Perron in Olten: Domenica Griesser und Hund Qiu sind bereit, in den Zug einzusteigen.

Bei Domenica Griesser, die als Sozialarbeiterin bei der Fachstelle Fokus-plus in Olten blinde und sehbehinderte Menschen berät, funktioniert das bestens. «Brauche ich das?», habe sie sich zwar anfänglich gefragt. Nun möchte sie die App nicht mehr missen. Im falschen Zug sitzen: Das ist Domenica Griesser auch schon passiert. Was bereits für Sehende ärgerlich ist, bringt Blinde noch stärker in die Bredouille. «Wenn ich an einem mir fremden Bahnhof aussteigen muss, kann ich mich schlecht orientieren und bin auf Hilfe angewiesen», berichtet Domenica Griesser. «Die App gibt mir Sicherheit und bestätigt, dass ich in den korrekten Zug eingestiegen bin.»

Freuen sich über „SBB Inclusive“: Testerin Domenica Griesser und SBB-Frau Esther Buchmüller.

Die 59jährige findet die App rundum nützlich. Sie kann damit im Zug den Streckenverlauf verfolgen und die nächsten Abfahrten an den Bahnhöfen abrufen. Über die App «SBB Mobile» sei das für sie als blinde Person komplizierter. Esther Buchmüller fügt an: «‘SBB Inclusive` ist nicht für die Planung einer Reise gedacht, sondern als Kundeninformation für unterwegs.» Mit der App werde die optische Kundeninformation am Bahnhof und im Zug für Personen mit einer Sehbehinderung auf dem eigenen iPhone akustisch abrufbar.

Esther Buchmüller freut sich über die positive Rückmeldungen von Domenica Griesser und den weiteren Testpersonen. Noch bis im Herbst werden weitere Tests durchgeführt. Anschliessend wird entschieden, wie es mit «SBB Inclusive» weitergeht. Domenica Griesser würde es freuen, wenn die App nach dieser Testphase im App Store verfügbar wäre. Für sie steht fest: «’SBB Inclusive’ ist eine der wenigen Apps, die ich fast täglich verwenden werde.»

Schwerpunktwoche Mobilität der Zukunft

Wer selbst einmal in die Rolle eines Reisenden mit Sehbehinderung schlüpfen und die App «SBB Inclusive» ausprobieren möchte, hat dazu während der Schwerpunktwoche Mobilität der Zukunft Gelegenheit. Vom 17. bis 21. Juni 2019 geben Mitarbeitende in der ganzen Schweiz Einblick in diverse Projekte der SBB. Ausser den Workshops zu «SBB Inclusive» sind Referate und Führungen unter anderem rund um folgende Fragen geplant:

  • Woran arbeiten wir heute, um das Reisen für unsere Kundinnen und Kunden noch einfacher und persönlicher zu machen?

  • Was verändert sich durch Ausbauprojekte wie Léman 2030 in der Westschweiz?

  • Wie stärken neue Angebote wie SBB Green Class das bestehende Bahnsystem?

  • Wie entsteht aus einer Projektidee ein digitales Produkt in einem Massenmarkt wie SBB Mobile?

SBB Inspire – Vortragsreihe zur digitalen Transformation

Die SBB muss ihr Kerngeschäft im Griff haben – ihre Kunden zuverlässig, sicher und pünktlich ans Ziel bringen. Mit der Digitalisierung und Automatisierung hat sie aber auch die Möglichkeit, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten. Die Eventserie SBB Inspire knüpft genau hier an: Sie ermöglicht Mitarbeitenden den Informations- und Erfahrungsaustausch zu aktuellen Themen der digitalen Transformation. Die nächsten Themen und Termine sind bereits geplant:

  • 19.6. Blockchain

  • 25.6. Automatisches Ticketing

  • 20.8. Digital Twin

  • 19.9. InnoZelle EPFL

Alle Informationen rund um SBB Inspire und Anmeldung auf der Communication Site.