Im Zug wird die Luft alle 5 Minuten komplett ausgetauscht

Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Zug gering ist. Um anschaulich zu machen, wie gut die Lüftung tatsächlich funktioniert, hat SBB News mit dem Wissenschaftler Dr. Michael Riediker vor Ort ein Experiment durchgeführt.

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Wir befinden uns im Instandhaltungswerk Olten in einem abgestellten Einheitswagen IV. Dr. Michael Riediker stellt das Modell eines menschlichen Oberkörpers auf den Sitz in der 2. Klasse. Er setzt dem Modell eine Maske auf und erklärt sein Experiment. Indem Riediker das Modell Theaternebel ausstossen lässt, soll anschaulich gemacht werden, wie sich Aerosole im Fahrgastraum verteilen. Und wie gut die Lüftung funktioniert.

Dr. Michael Riedikers Berechnungen stützen, was im Video augenscheinlich wird: Die verbrauchte Luft wird über den Köpfen der Reisenden senkrecht nach oben abgesaugt und mit Frischluft vermischt. Dies stimmt auch mit den Resultaten der DB-Studie zur Ausbreitung von Aerosolen in Schienenfahrzeugen überein. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus sei nicht grösser als anderswo. Die Lüftung im Zug funktioniere gut.

Dass die Klimaanlagen in den Zügen viel leisten, bestätigt Ralf Hofer. Er ist Fachbereichsleiter Klimatechnik bei der SBB. Ralf Hofer betont, dass die Klimaanlagen in den Zügen über eine besonders hohe Aussenluftwechselrate verfügen. Das heisst konkret, dass die Luft in den Passagierräumen alle 5 bis 12 Minuten komplett ausgetauscht wird. Dadurch wird die Belastung mit Keimen und Viren in der Luft – und damit auch das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus – stark reduziert.

Nicht zuletzt wird die Sauberkeit im Zug noch immer durch eine intensive Reinigung unterstützt. Dabei wird jedes Fahrzeug der SBB bis zu sechs Mal täglich gereinigt. Ein besonderes Augenmerkt liegt auf der Reinigung der Kontaktflächen. Also beispielsweise auf Haltestangen und Treppengeländern, die von Reisenden besonders oft berührt werden.

Dr. Michael Riediker ist Gründer und Direktor des Schweizerischen Zentrums für Arbeits- und Umweltgesundheit (SCOEH) in Winterthur. SCOEH macht Forschung zu Faktoren, die zu einem gesunden Arbeitsplatz und einer gesunden Umwelt beitragen. Er teilt seine Erkenntnisse durch Beratung von Regierungen und Unternehmen.

Michael Riediker